Sara Cohn, geb. Sonn

   
geboren am 10.05.1870 in Mainstockheim
Straße  Augustinerstraße 5
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum20.04.1943
TodesortTheresienstadt
   
Am 23.09.1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 20.04.1943 ermordet
   
Sara kam am 10. Mai 1870 als ältestes Kind des Lehrers Jakob Sonn (1840-1932) und seiner Frau Fanny, geb. Heinemann (1844-1914) in Mainstockheim zur Welt. Sie hatte vier Geschwister, David (1871-1939), Abraham (1873-1942), Jenny, verh. Droller (1878-1943) und Moses (Jg. 1880), die ebenfalls in Mainstockheim geboren wurden.
Sara ging wohl in Mainstockheim und seit 1883 in Theilheim (bei Schweinfurt) bei ihrem Vater in die Schule; über ihre weitere Ausbildung oder eine berufliche Tätigkeit ist nichts bekannt. Nach der Pensionierung des Vaters zogen ihre Eltern Ende 1905 nach Würzburg, wo Sara den kurz zuvor aus Berlin gekommenen Reisenden Jakob Meier Cohn kennenlernte und heiratete. Sara und Jakob Cohn lebten mit den Eltern Sonn in der Sanderstraße 10, Peterstraße 8 und nach dem Tod von Fanny Sonn (1914) mit dem Vater in der Augustinerstraße 5. Das Ehepaar Cohn hatte keine Kinder. So wird sich Sara Cohn um ihren Vater gekümmert haben, der fast 92 Jahre alt wurde, und sicher auch um die Untermieter, meistens Studenten, die dem Haushalt eine zusätzliche Einnahmequelle verschafften. Ihr Mann Jakob hatte sich ab 1921 selbstständig gemacht und eine Firma für „technische Oele und Fette“ im Wohnhaus gegründet.
Die Machtergreifung der Nationalsozialisten und deren Verfolgungspolitik veränderte die wirtschaftliche Situation der Cohns. Die Firma mussten sie 1934 aufgeben und Jakob Meier Cohn verdiente den Lebensunterhalt als Hausierer für Seife, Bohnerwachs und Waschmittel. Ab Oktober 1938 wird ihm der „Stadterlaubnisschein“ entzogen und von nun an waren Sara Cohn und ihr Mann gezwungen, in ärmlichsten Verhältnissen zu leben. Auch auf inständigste Bitten hin wurde der Erlaubnisschein nicht mehr gewährt. Bis Anfang 1941 blieb das Ehepaar in der Augustinerstraße 5 wohnen, wo seit Oktober 1937 ausschließlich jüdische Untermieter mit ihnen in der Wohnung lebten. Die Mietwohnung wurde also von den Behörden wie sonst die sog. „Judenhäuser“ zur Konzentration der Juden auf immer weniger Wohnraum genutzt. Von den vier jüdischen Ehepaaren, die hintereinander und auch gleichzeitig bei ihnen wohnten, gelang drei die Ausreise.
Auch die Cohns bemühten sich um die Emigration in die USA, wo Sara Cohns Neffe Moses und weitere Neffen und Nichten lebten, alle Kinder ihres Bruders David. Moses übernahm die Bürgschaft für das Ehepaar Cohn, diesem wurde eine Nummer zugeteilt. Aufgrund der langen Wartezeiten bis zum Aufruf der Nummer gelang ihnen jedoch die Ausreise nicht mehr. Wie das bei ihnen lebende Ehepaar Eldod musste Sara Cohn mit ihrem Mann Anfang 1941 in das Israelitische Altersheim in der Dürerstraße 20 ziehen.
Am 23. September 1942 wurde Sara Cohn zusammen mit ihrem Ehemann Jakob und weiteren 562 jüdischen Unterfranken nach Theresienstadt deportiert. Dort starb sie im 73. Lebensjahr an den Folgen der menschenunwürdigen Lebensbedingungen des Lagers, wo Hunger, Durst und Krankheiten an der Tagesordnung waren.
Auch Saras Geschwister Abraham und ihre Schwester Jenny Droller wurden Opfer des Holocaust. Ihr Bruder David war jedoch bereits 1939 in Würzburg gestorben, wo er mit seiner Familie gelebt hatte. Dessen vier Kinder konnten in die USA bzw. nach Palästina emigrieren. Auch dem jüngsten Bruder Moses gelang die Auswanderung nach Palästina.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, G 101 (11.2.2016);
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1905-1941; Grundliste Augustinerstraße 5;
Standesamt, Verwaltungsgemeinschaft Kitzingen, Standesregister Mainstockheim (23.03.2016);
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900 – 1945,Würzburg 1989, T. 1, S. 115f.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de903048 (17.05.2016);
Datenbank der Holocaust Opfer aus den böhmischen Ländern und von Häftlingen im Theresienstädter Ghetto aus Europa, http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/8357-sara-cohn/ (17.05.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=cohn&s_firstName=sara&s_place=wuerzburg&itemId=5628023&ind=2&winId=-421745801825558586 (17.05.2016).
Autorin / Autor Elke Wagner
Paten Frau Theresa Kümmel
   
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