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Sally Heippert

   
geboren am 09.01.1942 in Frankfurt a.M.
Straße  Wolframstraße 1
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum17.06.1943
Todesdatum00.06.1943
TodesortAuschwitz
   
deportiert am 17.06.1943 nach Auschwitz und vermutlich unmittelbar nach der Ankunft dort ermordet
   
Sally Heippert wurde im Januar 1942 im Israelitischen Krankenhaus in Frankfurt a.M., Gagernstraße 36 geboren. Zu dieser Zeit wohnte seine unverheiratete Mutter Käthe Heippert (1920-1943) im Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg, wo sie sich in einer halbwegs geschützten Umgebung auf ihr Kind vorbereiten konnte. Sally trug den Namen seines Großvaters, der im Dezember 1938 an den unmenschlichen Haftbedingungen im KZ Dachau gestorben war. Sallys Vater ist nicht bekannt. Nach Aussage von Susan Loewenberg, geb. Fechenbach, bei deren Familie Käthe Heippert 1940/1941 zur Untermiete wohnte und vielleicht auch arbeitete, war es ein ehemaliger Student der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt. Vor dessen Deportation habe das junge Paar nicht mehr heiraten können. Der Name des Vaters ließ sich nicht sicher ermitteln.
Bis zum 23. Februar blieben Käthe und Sally im Krankenhaus, kehrten für wenige Tage nach Neu-Isenburg zurück und zogen am 2. März nach Würzburg, wo Käthe bereits zuvor gelebt hatte. Seit dem Sommer wohnten sie hier im überfüllten Sammelquartier, dem Altenheim an der Dürerstraße 20, seit August 1942 im Gebäude auf dem Israelitischen Friedhof an der Faulenbergstraße. Dieser abgelegene Ort im Grünen könnte von der jüdischen Geschäftsstelle für Mutter und Kind mit Bedacht ausgewählt worden sein.
Wie die Heipperts wohnte dort zuletzt noch Sofie Krebs (1894-1943) und ihre beiden Söhne Julius (1923-1943) und Walter (1924-1943). Sie könnten sich mit um Sally gekümmert haben, denn seine Mutter Käthe musste jedenfalls 1943 halbtags Zwangsarbeit leisten. Als Gärtner war Walter Krebs wohl für die Pflege des Friedhofs zuständig und könnte durch den Anbau von Gemüse zur Versorgung der Mitbewohner beigetragen haben.
Am 17. Juni 1943 wurden Käthe und Sally Heippert wie die Familie Krebs frühmorgens mit den letzten Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde, die nicht in Mischehe lebten, im Sammelquartier in der Bibrastr. 6 kontrolliert und von da am Mittag zu Fuß durch die Stadt zum Hauptbahnhof getrieben. In einem Waggon, der an den regulären Zug nach Nürnberg angehängt war, startete der Transport nach Auschwitz, wo Sally und seine Mutter wohl direkt nach der Ankunft in die Gaskammer geschickt und ermordet wurden. Sally war eines der jüngsten Opfer aus Unterfranken.
   
Quelle Standesamt Frankfurt Mitte (Geburtsurkunde);
Staatsarchiv Würzburg, Gestapo 904 (Käthe H.);
Johanna-Stahl-Zentrum, Sammlung Schneeberger, Familienmappen Heippert (Karbach und Wiesenbronn);
Stadtarchiv Würzburg, Grundlisten Wolfhartsgasse 11, Faulenbergstr.;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 251;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de856695 (15.05.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa victims’ Names, mehrfache Einträge zu den Mitgliedern der Familie: http://yvng.yadvashem.org/index.html?language=en&s_lastName=Heippert&s_firstName=&s_place=Wiesenbronn (15.05.2016); zu Sally: http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?itemId=1072687&language=de (15.05.2016);
Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/test/web324w/juf/details (15.05.2016);
Gedenkbuch für das Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg, http://gedenkbuch.neu-isenburg.de/heippert-kathi-kathe/ und http://gedenkbuch.neu-isenburg.de/heippert-sally/ (15.05.2016);
schriftliche Auskunft von Reinhard Hüßner, Wiesenbronn;
schriftliche Auskunft von Michael Lenarz, Jüdisches Museum Frankfurt.
Autorin / Autor Rotraud Ries
Paten Deutschhaus-Gymnasium, Herr Carsten Dutz
   
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