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Ferdinand Wolfsheimer

 
geboren am 23.03.1874 in Weikersheim
Straße  Neutorstraße 12
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum17.07.1942
Todesdatumunbekannt
TodesortTreblinka
   
Am 17.07.1942 von München nach Theresienstadt, von dort am 19.09.1942 nach Treblinka deportiert und vermutlich kurz darauf dort ermordet.
   
Ferdinands Eltern waren der Weikersheimer Pferde- und Getreidehändler Josef Wolfsheimer (1847-1927) und seine Ehefrau Therese, geb. Kirchhausen (1850-1925), die aus Heilbronn stammte. Der Betrieb des Vaters befand sich in der Laudenbacher Straße in Weikersheim. Ferdinand wuchs zusammen mit seinem älteren Bruder Louis (1873-1940) und den jüngeren Geschwistern Helena, verh. Friedmann (1875-1942), Frida verh. Porges (1880-1942), Lina verh. Starkmann (1883-1962), Jette verh. Becker (1887-1981), Max (1885-1960) und Adolf (1889) auf. Ob der 1888 in Weikersheim geborene Moritz (Maurice) ein weiterer Angehöriger ist, lässt sich nicht eindeutig ermitteln.

Wie sein Bruder Louis besuchte Ferdinand das Realgymnasium in Würzburg. Über die näheren Umstände eines Aufenthalts in den USA in den Jahren 1893/94 ist nichts bekannt, allerdings pflegten auch andere Familienmitglieder Kontakte in die USA.

Vermutlich 1902 verlegte Ferdinand seinen Wohnsitz nach Würzburg und gründete ein Getreidegeschäft, das sich zunächst in der Peterstraße 8 befand. Nach seiner Heirat mit Regine, geb. Lehmann (1874-1942) aus Wenkheim im Jahr 1903 wohnte das Paar in der Markusstraße 9.

Ferdinand Wolfsheimer erwarb 1908 das Heimat- und Bürgerrecht in der Stadt Würzburg und baute sein Geschäft zu einer Getreide- und Landesproduktengroßhandlung mit Lager in der Veitshöchheimer Straße 5 aus. Zeitgleich wurde er Mitglied der Produktenbörse in Würzburg. Ab Juni 1913 wohnte das Ehepaar in der Semmelstraße 76 – die nach der Straßenumbenennung die Adresse Neutorstraße 12 führte.

Die Ehe bleibt kinderlos. Zwischen 1915 und 1918 nahm Ferdinand als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. Belegt ist ein Antrag seiner Frau Regine, ihn 1917 im Kriegsgebiet besuchen zu dürfen. Vom April 1921 bis April 1922 unternahm das Ehepaar eine längere Reise in die Schweiz, über deren Zweck nichts bekannt ist.

Als der Druck des NS-Staates auf die jüdischen Betriebe immer größer wurde, meldete Ferdinand Wolfsheimer das Würzburger Gewerbe ab und verlegte parallel dazu im Oktober 1938 seinen Wohnsitz nach München. In der Wohnung von Ida Steinhard, einer Schwester seiner Ehefrau, ist das Ehepaar seit dem 21.10.1938 gemeldet. Ferdinands älterer Bruder Louis, der ebenfalls in München lebte, löste zur gleichen Zeit sein Geschäft auf. Er starb 1940 bei unklarer Todesursache. Seiner Witwe gelang 1941 noch die Emigration in die USA, wo ihre Kinder bereits wohnten.

Eigene Bemühungen, ins sichere Ausland zu emigrieren, gelangen Ferdinand Wolfsheimer und seiner Frau im Gegensatz zu seinen Geschwistern Helena, Lina, Max, Jette und Adolf nicht. Am 17. Juli 1942 wurde er zusammen mit seiner Ehefrau zunächst nach Theresienstadt und zwei Monate später am 19. September von dort ins Vernichtungslager nach Treblinka deportiert, wo die beiden fast Siebzigjährigen vermutlich unmittelbar nach der Ankunft ermordet wurden. Da es dort kein Arbeitslager gab und die beiden aufgrund des hohen Alters sicher keinen jungen Arbeiter des „Sonderkommandos“ ersetzen konnten, starben sie – wie die meisten – vermutlich schon innerhalb von vier Stunden nach der Ankunft.

Die Schwester Frida kam mit weiteren Angehörigen ihrer Familie in Auschwitz ums Leben.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 681;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1900-1938, Grundliste Neutorstraße 12, Einwohnermeldebogen Ferdinand Wolfsheimer;
Stadtarchiv München, Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden, 1933-1945, http://www.muenchen.de/rathaus/gedenkbuch/gedenkbuch.html, (12.12.2017);
Bundesarchiv. Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de995091 (14.12.2017); Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich ebenfalls im Gedenkbuch;
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Ferdinand Wolfsheimer und seinen Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/ (12.12.2017)
Archiv der Gedenkstätte Theresienstadt, 17. Sommertransport 1942 von München nach Theresienstadt, Ankunftsliste vom 18.07.1942, Bl. 63, http://www.statistik-des-holocaust.de/II17-3.jpg (28.12.2017);
FamilySearch, Suche nach Mitgliedern der Familie Wolfsheimer, https://familysearch.org/search;
Suche nach Mitgliedern der Familie Wolfsheimer, https://www.geni.com (14.12.2017);
Alemannia Judaica Weikersheim, http://www.alemannia-judaica.de/synagoge_weikersheim.htm (14.12.2017);
Heimatbrief Weikersheim, https://www.weikersheim.de/fileadmin/assets/Downloads/Heimatbrief_Weikersheim_2015.pdf (28.12.2017);
Informationen zu Frida Porges http://www.porges.net/FamilyTreesBiographies/HeinrichPorges1875-1942.html (12.12.2017).

Foto: Stadtarchiv München, Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden, 1933-1945, wie oben.
Autorin / Autor Theresa Dietl
Paten
   
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