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Regine Wolfsheimer, geb. Lehmann

 
geboren am 14.10.1875 in Wenkheim
Straße  Neutorstraße  12
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum17.07.1942
Todesdatumunbekannt
TodesortTreblinka
   
Am 17.07.1942 von München nach Theresienstadt, von dort am 19.09. 1942 nach Treblinka deportiert und dort vermutlich kurz darauf ermordet.
   
Regines Eltern sind der Wenkheimer Kaufmann Meier Lehmann (Jg. 1844) und seine Ehefrau Caroline, geb. Bayreuther (1846-1920). Eine ältere Schwester Ciconie, geb. 1872 in Wenkheim, wird nur einmal erwähnt. Regines weitere Geschwister sind Luise, verh. Suendermann (1876-1942), Berthold Lehmann (Jg. 1878), die Schwester Ida, verh. Steinhard (1882-1941) und die Schwester Paula, verh. Kurzmann (1884-1951).

Wie ihre Schwester Ida besuchte Regine die Lehranstalt der Englischen Fräulein in Würzburg.

Nach der Heirat am 30.08.1903 mit Ferdinand Wolfsheimer, der in Würzburg mit Landesprodukten handelte, wohnte das Ehepaar zuerst in der Markusstraße 9 in Würzburg, bevor es 1913 in die Semmelstraße 76 zog, die später in Neutorstraße 12 umbenannt wurde. In diesem Jahr übersiedelte Regines verwitwete Mutter Caroline Lehmann von Dresden nach Würzburg und lebte bis zu ihrem Tod am 20.04.1920 im Haushalt der Tochter. Des Weiteren sind längere Aufenthalte der Schwestern Luise, Ida und Paula sowie ihres Bruders Berthold in ihrer Hausgemeinschaft verzeichnet. Die Ehe der Wolfsheimers blieb kinderlos. Während des 1. Weltkriegs beantragte Regine 1917 eine Reiseerlaubnis ins Kriegsgebiet zu ihrem an der Front eingesetzten Ehemann.

Ein im April 1921 begonnener Aufenthalt in der Schweiz wurde bis Mitte März 1922 verlängert, ohne dass hierfür ein Grund dokumentiert ist.

Nach Aufgabe des Handelsgeschäfts im Oktober 1938 verlegte das Ehepaar seinen Wohnsitz nach München, wo es im Haushalt von Regines Schwester Ida Steinhard gemeldet ist. Diese war nach dem Tode des Ehemanns von Nürnberg nach München in die Tengstraße 27/IV gezogen. Alle Bemühungen um eine Emigration nach Übersee scheiterten, auch der Versuch, im Oktober 1941 nach Kuba zu gelangen.

Am 17. Juli 1942 wurde Regine Wolfsheimer zusammen mit ihrem Ehemann zunächst nach Theresienstadt und zwei Monate später am 19. September 1942 von dort ins Vernichtungslager Treblinka deportiert. Dort wurden die beiden fast Siebzigjährigen vermutlich unmittelbar nach der Ankunft ermordet. Da es dort kein Arbeitslager gab und die beiden aufgrund des hohen Alters sicher keinen jungen Arbeiter des „Sonderkommandos“ ersetzen konnten, starben sie – wie die meisten – vermutlich schon innerhalb von vier Stunden nach der Ankunft.

Von den Geschwistern konnte Berthold Lehmann nach seiner Tätigkeit als Bankbeamter in Brüssel nach New York emigrieren. Paula Kurzmann gelang mit ihrem Ehemann nach dessen Entlassung aus dem KZ Dachau im Dezember 1938 die Flucht in die USA. Beide starben 1951 in New Jersey.

Ihre Schwester Luise Suendermann wurde in Treblinka und die Schwester Ida Steinhard in Kaunas ermordet.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 681;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1900-1938, Grundliste Neutorstraße 12, Einwohnermeldebogen Ferdinand und Regine Wolfsheimer;
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Regine Wolfsheimer und ihre Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/ (12.12.2017);
Stadtarchiv München, Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden, 1933-1945, http://www.muenchen.de/rathaus/gedenkbuch/gedenkbuch.html, (12.12.2017);
Bundesarchiv. Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de995091 (14.12.2017); Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich ebenfalls im Gedenkbuch;
Archiv der Gedenkstätte Theresienstadt, 17. Sommertransport 1942 von München nach Theresienstadt, Ankunftsliste vom 18.07.1942, Bl. 63, http://www.statistik-des-holocaust.de/II17-3.jpg (28.12.2017);
Family Search, Suche nach Mitgliedern der Familien Wolfsheimer und Lehmann https://familysearch.org/search;
Suche nach Mitgliedern der Familie Lehmann https://www.geni.com (14.12.2017);
Erwähnung von Namen jüdischer Gemeindemitglieder in Wenkheim, http://www.alemannia-judaica.de/wenkheim_synagoge.htm (08.01.2018).

Foto: Stadtarchiv München, Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden, 1933-1945, wie oben.
Autorin / Autor Theresa Dietl
Paten Frau Katharina Müller
   
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