Ernst Michael Schulhöfer / Schulhoper

   
geboren am 13.01.1904 in Würzburg
Straße  St.-Benedikt-Straße 4
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum28.08.1942
Todesdatumunbekannt
TodesortAuschwitz
   
im Mai 1940 in Belgien verhaftet, nach Saint Cyprien und Gurs und von dort über das Sammellager Drancy am 28.08.1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet
   
Ernst Michael Schulhöfer kam am 13. Januar 1904 in Würzburg als einziger Sohn von Salomon Schulhöfer (1865-1939) aus Bibergau und seiner zweiten Frau Ida geb. Eichenberg (1873-1944) aus Adelebsen zur Welt. Sein Vater war als Nahrungsmittelchemiker an der landwirtschaftlichen Kreisversuchsanstalt Würzburg vom Assistenten bis zum Direktor der Anstalt aufgestiegen und 1907-1912 an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt (ILBA) als Fachlehrer tätig gewesen. Stiefschwester Johanna (1895-1922) aus der ersten Ehe des Vaters lebte bis zu ihrer Heirat 1921 meist bei der Familie.

Ernst besuchte die Oberrealschule in Würzburg, das heutige Röntgen-Gymnasium, bis zum Abschluss und ging anschließend nach Düsseldorf. Näheres ist nicht bekannt. Von dort wanderte er 1926 nach Antwerpen aus. Als die deutschen Truppen Belgien überrollten, wurde er wie 90.000 andere Flüchtlinge aus Deutschland von der belgischen Verwaltung im Mai 1940 verhaftet und nach Frankreich getrieben.

Ernst Michael Schulhöfer, der sich mittlerweile Ernst Michel Schulhoper nannte, kam nach Saint Cyprien an der Mittelmeerküste. In diesem völlig überfüllten Lager waren zunächst vor allem Kämpfer interniert worden, die nach dem Sieg Francos aus Spanien geflohen waren. Die Lebensbedingungen waren katastrophal. Seine Mutter hatte Nachricht bekommen, dass er ab Oktober ins Lager Gurs im Südwesten Frankreichs überstellt wurde und ihm im Herbst 1941 dorthin Päckchen und Briefe geschickt, aber keine Nachricht mehr von ihm bekommen. Auch in diesem Lager im unbesetzten Frankreich starben Gefangene in großer Zahl an Hunger und Krankheiten.

Vom nördlich von Paris gelegen Sammellager Drancy aus ist Ernst Schulhoper zu seiner letzten Station verschleppt worden. Er ist auf der Liste des Transports Nr. 25 verzeichnet. Der Zug 901-20 verließ Drancy am 28. August und kam am 31. August 1942 in Auschwitz an, wo Ernst Schulhöfer ermordet wurde. Seine Mutter war im September 1942 nach Theresienstadt deportiert worden und dort im März 1944 umgekommen.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 13702;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 526;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de506301 (22.06.2016);
Mémorial de la Shoah, Datenbank der zentralen Gedenkstätte für die Shoah in Frankreich, http://bdi.memorialdelashoah.org/internet/jsp/core/MmsRedirector.jsp?id=54055&type=VICTIM (22.06.2016);
Camp de Gurs : repères historiques, http://gurs.free.fr/histoire.html (22.06.2016).
Autorin / Autor Hans-Peter Baum, Ingrid Sontag
Paten
   
zurück