Berthold Schäfer

   
geboren am 21.05.1879 in Würzburg
Straße  Franziskanergasse 12
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum25.04.1942
Todesdatumunbekannt
Todesortunbekannt
   
am 25.04.1942 nach Krasniczyn deportiert und im Raum Lublin ermordet
   
Berthold Schäfer, kam am 21. März 1879 als drittes Kind von Max Schäfer (1844-1930) und seiner Frau Rika, geb. Lebrecht (1851-1931) in Würzburg auf die Welt. Seine beiden Schwestern Helene (1875-1878) und Selma (1880–1897) starben früh. Seine Brüder Julius (Jg.1877) und Ernst, ursprünglich Max August, (Jg.1883) wanderten 1892 bzw. 1926 schon vor der Nazizeit in die USA aus und sein jüngster Bruder Gustav Lebrecht (1891–1934) starb nach Jura-Studium und Kriegsteilnahme bereits in jungen Jahren.

Bertold Schäfer besuchte in Würzburg das Realgymnasium (heute: Siebold-Gymnasium). Seine Berufsausbildung zum Weinhändler scheint er in Frankfurt absolviert zu haben, wo er anschließend auch mehrere Jahre arbeitete. Im Jahre 1909 wurde er - eine deutsche Staatsbürgerschaft gab es ja noch nicht - in den preußischen Staatsverband aufgenommen. Im selben Jahr dürfte er allerdings nach Würzburg zurückgekehrt und in die elterliche Weingroßhandlung Max Schäfer eingetreten sein, deren Geschäftsräume im Wohnhaus der Familie untergebracht waren. Er nahm am Weltkrieg als Gefreiter teil und wurde ausgezeichnet. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg übernahm er im Jahre 1919 den väterlichen Weingroßhandel. 1922 heiratete er Klara Weinstock (Jg.1893), deren Eltern aus Bad Neustadt stammten und 1914 nach Würzburg zugezogen waren. Die Ehe blieb kinderlos.

Ende 1938 wurde die Firma zwangsweise aufgelöst und Berthold Schäfer musste ab 1939 Zwangsarbeit bei einer Baufirma und beim Tiefbauamt leisten. Bertold und seine Frau Klara wurden drangsaliert durch Verhöre aufgrund von Denunziationen, Hausdurchsuchungen, Beschlagnahmungen, Strafverfahren wegen Devisenvergehen und am Schluss mussten sie das eigene Haus verlassen, das sich im Eigentum einer Erbengemeinschaft mit seinen ausgewanderten Brüdern Julius und Ernst befand.

Am 25. April 1942 wurde Bertold Schäfer von der Bibrastraße 6 aus mit seiner Ehefrau nach Krasniczyn deportiert und im Raum Lublin wenig später ermordet.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakten 11864, 11891;
Vermögenskontrollakten des Finanzamts Würzburg, Nr. 3355;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 502-503, 662;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/963158 (22.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblätter, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=1700771&ind=0 und http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=1415780&ind=2 (22.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Nürnberg - Würzburg nach Krasniczyn, Abfahrtsdatum: 25.04.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT420425-Wuerzburg47.jpg (22.06.2016).

Foto: Gedenkblatt Yad Vashem.
Autorin / Autor Hans-Peter Baum, Ingrid Sontag
Paten
   
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