Justin (Denny J.) Zeilberger

   
geboren am 17.07.1896 in Ermershausen/Ufr.
Straße  Sterngasse 6
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatum00.00.1945
Todesortbei Danzig
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert, von dort ins Ghetto Riga und im Herbst 1944 nach Stutthof bei Danzig. Anfang 1945 bei Danzig ermordet.
   
Justin Zeilberger war Schneidermeister. Seine Eltern, der Kaufmann Karl (Kusel) Zeilberger (1852-1939) und Veronika geb. Steinhardt (1857-1935) lebten in Ermershausen und dort wuchs Justin mit 11 weiteren Geschwistern auf: Rosa (Jg.1882), Heinrich (Jg.1883), Norbert (Jg.1885), Ludwig (Jg.1886), Martha (Jg.1887), Friedrich (Jg.1888), Paula und Frieda (Jg.1890), Max (Jg.1891), Alma (Jg.1894) und sein Zwillingsbruder Alfred (Jg.1896).

Nach dem Besuch der Volksschule, wohl im Heimatort, trat er 1910 als Lehrling in die Würzburger Schneiderfirma Gebr. Nussbaum ein und beendete seine Ausbildung 1913 mit der Gesellenprüfung. Danach arbeitete er in Frankfurt a.M., bevor er 1916 als Soldat eingezogen wurde. Nach Ende des 1. Weltkriegs kehrte er nach Frankfurt zurück und legte dort im März 1922 die Meisterprüfung ab. Wenig später wurde er in Würzburg als selbständiger Schneidermeister ansässig.

Wie viele Juden war er politisch liberal und Anhänger der Deutschen Demokratischen Partei.

Im Jahr 1925 heiratete er in Würzburg Lilly (Lea) Keller, die mütterlicherseits aus Heßdorf stammte und hatte mit ihr zwei Kinder: Tochter Ilse wurde im August 1927 geboren, Sohn Fred im Dezember 1929. Die Familie wohnte in der Sterngasse 6, wo Justin Zeilberger auch seine Schneiderwerkstatt betrieb.

Während des Novemberpogroms von 1938 wurde er verhaftet und in das KZ Buchenwald gebracht. Sein Betrieb, den er mit einem nichtjüdischen Gehilfen führte, wurde im Dezember 1938 zwangsweise geschlossen. Am 2. Januar 1939 wurde er aus der Haft entlassen und bemühte sich um die Auswanderung in die USA über Kuba. Sein Vater war 86-jährig 1938 zusammen mit Justins Bruder Friedrich und dessen Familie in die USA ausgewandert, was bedeutete, dass Justin Zeilberger bald alle Bürgschaften vorweisen konnte. Der Versuch scheiterte trotzdem und Justin Zeilberger musste mit seiner Familie in Würzburg bleiben.

Nachdem 1939 der Antrag der Israelitischen Kultusgemeinde an die Gestapo genehmigt worden war, durfte er dort mit Ausbesserungsarbeiten als Schneider beschäftigt werden. 1940 musste die Familie noch in die Domerschulstraße 25 umziehen.

Am 27. November 1941 wurde die gesamte Familie nach Riga deportiert und kam zunächst in das Lager Jungfernhof, später in das Rigaer Ghetto. Ende September 1944 wurde das Ghetto Riga geräumt, die Bewohner wurden per Schiff nach Danzig und von dort in das KZ Stutthof gebracht. Dort kamen seine Ehefrau Lilly und die Tochter Ilse ums Leben. Anfang 1945 wurde dieses Lager vor der vordringenden Roten Armee geräumt und die Gefangenen auf einen Todesmarsch nach Westen getrieben. Justin Zeilberger erlebte mit seinem Sohn Fred noch die Befreiung, doch starb er eine Woche später an Entkräftung. Der Sohn hat später die Gedenkseiten für die Familie in Yad Vashem angelegt und die Fotos dort eingestellt.

Von Justin Zeilbergers Geschwistern konnten viele rechtzeitig emigrieren, meist in die USA. Die drei Geschwister Frieda, Max und Heinrich wurden wie er Opfer der Shoa in verschiedenen Lagern in Polen.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapo-Akten 17864, 17866;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1923-1941;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1 S. 394; T. 2, S. 417, 685f.;
Roland Flade, Die Würzburger Juden, Stürz Verlag Würzburg 1987, S.362-369, 385;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/996878 (26.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblätter, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=1761708&ind=7 und http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=584934&ind=8 (26.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg5.jpg (10.06.2016).

Foto: Fred Zeilberger.
Autorin / Autor Hans-Peter Baum, Ingrid Sontag
Paten Herr Dr. Rainer Cording
   
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