Erich Moritz Fulder

   
geboren am 29.05.1906 in Würzburg
Straße  Ludwigstraße 23 a
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum02.03.1943
Todesdatum05.03.1943
TodesortSobibor
   
Seit dem 25.02.1943 im niederländischen Durchgangslager Westerbork interniert, von dort am 02.03.1943 nach Sobibor deportiert und am 05.03.1943 ermordet.
   
Am 29.05.1906 wurde Erich Moritz Fulder als Sohn des Kaufmanns Salomon Fulder (1869-1943) und dessen Ehefrau Berta Fulder, geb. Meyer (1882-1943) in Würzburg geboren. Sein Vater Salomon Fulder, Kaufmann von Beruf kam ursprünglich aus Thüngen im heutigen Landkreis Main Spessart gelegen. Seine Mutter Berta Meyer wurde in Eschweiler bei Aachen geboren und stammte ebenfalls aus einer angesehenen Kaufmannsfamilie. Erich Moritz war der älteste von drei Brüdern. Es folgte der am 06.04.1910 geborene Oskar und am 15.08.1911 kam schließlich Norbert zur Welt. Um 1912 wurde Erich Moritz eingeschult und besuchte nach der Elementarschule das Königlich Neue Gymnasium (heute Riemenschneider Gymnasium), wechselte jedoch zum benachbarten neusprachlichen Realgymnasium.
Nach wechselnden Adressen in der Stadtmitte zog die Familie 1912 von der Semmelstraße 41 in die nahegelegene Ludwigstraße 23. Die inzwischen sehr gute wirtschaftliche Situation der Familie hatte seinem Vater Salomon 1919 den Kauf eines respektablen Wohn- und Geschäftshauses dort ermöglicht. Im ersten Stock wohnte ab 1922 die fünfköpfige Familie und im Parterre war die Textilhandlung Firma „Modewaren en gros“ untergebracht.
Erich Moritz folgte nach einer 10-jährigen Schulausbildung im Alter von 16 Jahren der Familientradition und erlernte den Beruf des Kaufmanns. Die Lehre absolvierte er zunächst teilweise in Frankfurt am Main, denn dort war er vom Mai 1922 bis zum Dezember 1923 gemeldet. Er lebte anschließend wieder in der elterlichen Wohnung und es ist davon auszugehen, dass er auch im elterlichen Modegeschäft in Würzburg mitarbeitete. Daneben engagierte er sich als Beisitzer in der sozialdemokratischen Jugendbewegung im Jüdischen Jugendbund Würzburg.
Erich Moritz emigrierte im Dezember 1936 nach Amsterdam. Dort lebte schon seit Juli 1935 sein jüngster Bruder Norbert. Für den 30-jährigen Würzburger war es sicher sehr schwer, im Exil beruflich Fuß zu fassen. Wahrscheinlich schlug er sich, wie die meisten jüdischen Einwanderer, notdürftig durch.
Ende 1937 gelang es auch seinen Eltern zusammen mit Oskar, die inzwischen ihr Modewarengeschäft und das Geschäftshaus in der Ludwigstraße 23 aufgeben bzw. verkaufen mussten, nach Amsterdam zu emigrieren. Sein Bruder Norbert wohnte zusammen mit seinen Eltern in der Lekstraat 114 im 2. Stock. Höchstwahrscheinlich war auch Erich Moritz dort gemeldet.
Am 10.5.1940 begann der Einmarsch der Deutschen Truppen in die neutralen Niederlande und die Verfolgung der Juden setzte sich unerbittlich fort. Am 25.02.1943 wurde Erich Moritz zusammen mit seinem Bruder Oskar aus der Wohnung in der Lekstraat 114 abgeholt, in das Durchgangslager Westerbork verschleppt und kurz darauf am 02.03.1943 in das Vernichtungslager Sobibor. Wenig später, am 05.03.1943 wurde er dort zusammen mit seinem Bruder Oskar in den Gaskammern ermordet. Erich Moritz Fulder wurde nur 36 Jahre alt.
Bruder Norbert war schon im Mai 1942 über Westerbork in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort am 31.08.1942 ermordet worden. Die Eltern wurden Ende April 1943 abgeholt und kurz darauf in Sobibor umgebracht.
Biografie erstellt September 2009, überarbeitet Februar 2016
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 186, 187;
Stadtarchiv Würzburg, Einwohnermeldebögen, Adressbücher 1903-1937, Grundlisten Theresienstraße 8, Ludwigstraße 23;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de871936 (27.01.2016)
http://eschweiler-juden.de/pages/posts/gedenkstein-in-meschede-erinnert-an-paula-meyer-aus-eschweiler-1.php, (28.10.2015);
http://eschweiler-juden.de/pages/notizen-neues-2014.php, (28.10.2015);
Biographische Datenbank jüdisches Unterfranken, Informationen zur Familie Fulder, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/test/web324w/juf/ (13.01.2016);
www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/s-t/1937-thuengen, (10.02.2015);
www.niederlandenet.de; niederlandenet@uni-muenster.de; online redaktion, Kor. 02.04.2015;
www.alemania-judaica.de/treuchtlingen_synagogen.htm, (18.01.2016)¸
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs.
Autorin / Autor Hans-Peter Baum, Martina Buller
Paten
   
zurück