Abendveranstaltung zur 32. Verlegung

Vortrag Dr. Joachim Käppner

1941 – Der Angriff auf die ganze Welt

Nachdem Elke Wagner und Ingrid Sontag einen Ausblick auf die Stolpersteinverlegung am 28. November gegeben hatten, eindrucksvoll begleitet von projizierten Bildern sowie von Anja Günthers Klängen auf dem Hang, erläuterte Joachim Käppner Umfang und Folgen vom deutschen “Angriff auf die ganze Welt” im Jahr 1941 anhand von 3 biografischen Beispielen.

Jurek Rotenberg wurde im Alter von 13 Jahren von Berthold Beitz im besetzten Polen mit einem Ausweis als unverzichtbarer Mitarbeiter in der Ölproduktion versehen. Damit konnte er der bis dahin unvorstellbaren Mordmaschinerie der Nazis entkommen.

Boris Dorfman, ebenfalls jüdischer Herkunft, wuchs im damals rumänischen Bessarabien auf, das nach dem Hitler-Stalin-Pakt unter sowjetische Herrschaft gelangte. Die Eltern wurden 1940 als Sowjetfeinde deportiert. Er selbst kämpfte in der russischen Armee gegen Deutschland und seinen rumänischen Verbündeten, ließ sich 1947 in Lemberg nieder und förderte dort wieder jüdisches Leben. Dieses war spätestens nach dem Einmarsch der Deutschen 1941 vollständig ausgelöscht worden.

General Johannes Blaskowitz hatte eine führende Position beim Angriff auf Polen inne und distanzierte sich in seinen Lageberichten von den Gräueltaten von SS- und Wehrmachtseinheiten. Seine Sorge wegen der “maßlosen Verrohung und sittlichen Verkommenheit” der Soldaten fand nur insofern Beachtung, als er an die Westfront versetzt wurde. Damit war er der Einzige unter den Militärs, der sich von dieser Art des Vernichtungskriegs distanzierte, der einen Friedensschluss unmöglich machte.

Es schloss sich eine rege Diskussion an, die Anja Günther mit einem berührenden jiddischen Lied einer ukrainischen Dichterin aus Czernowitz abrundete.