Das jüdische Altenheim und Krankenhaus
Die Gebäude des jüdischen (israelitischen) Altenheims und Krankenhauses befanden sich auf den Grundstücken der heutigen Dürerstraße 14 und der Valentin-Becker-Straße 11 entlang der Bahngleise.
Das jüdische Krankenhaus wurde 1885 eröffnet und 1891 bis 1892 um ein Altenheim (Pfründnerhaus) erweitert.

Das jüdische Altenheim und Krankenhaus im Jahr 1910. (Stadtarchiv Würzburg, Bibliothek, Sk 20/15)
Im Jahr 1912 erfolgte eine Erweiterung des Krankenhauses in der Valentin-Becker-Straße um einen Neubau (Isolierbau).
Während des 1. Weltkriegs wurde das Krankenhaus als Lazarett für verwundete Soldaten zur Verfügung gestellt.

Ein Stadtplan des Bauer Verlags aus den 1920er Jahren.
Am 18. Mai 1930 erfolgte die Einweihung eines Neubaus für 40 Personen als Landesheim für Kranke und Sieche (Pflegebedürftige) aus ganz Bayern.
Mit der Machtübergabe an die Nationalsozialisten und der beginnenden Entrechtung und Ausgrenzung wuchs die jüdische Bevölkerung durch Zuzug aus dem Umland an. Dadurch nahm auch der Bedarf an Plätzen im Altenheim und Krankenhaus immer weiter zu, so dass im Oktober 1933 das Anwesen Konradstraße 3 als Altenheim hinzugekauft wurde.
In den Jahren 1939 und 1940 wurden die Häuser wegen des hohen Bedarfs und auf Druck der Gestapo, um mehr Menschen unterbringen zu können, baulich erweitert.
Von den am 27. November 1941 beginnenden Deportationen waren auch die Bewohnerinnen und Bewohner betroffen, ganz besonders im September 1942.
Danach begann die Übersiedlung der verbliebenen Bewohnerinnen und Bewohner in die Bibrastraße 6, das Haus der ehemaligen Israelitischen Lehrerbildungsanstalt (ILBA). Die Gebäude Dürer- und Konradstraße wurden arisiert und mussten an die Stadt Würzburg verkauft werden.

Luftbildaufnahme der Royal Airforce des Areals zwischen Dürerstraße und Valentin-Becker-Straße aus dem Jahr 1944. (Historic Environment Scotland)
Dort wurden u.a. ein Säuglings- und Schwesternwohnheim eingerichtet.
Am 16. März 1945 wurden die Gebäude des jüdischen Altenheims und des Krankenhauses zerstört.

Auf der Luftbildaufnahme aus dem Jahr 1952 sind die Ruinen des jüdischen Altenheims und des Krankenhauses deutlich zu erkennen. (Historic Environment Scotland)
Quelle:
Flade, Roland: Dem Leben dienen. Die Ritaschwestern und die Würzburger Juden. Würzburg, 2021
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