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Thekla Schmidek

 
geboren am 20.07.1891 in Erlangen
Straße  Weingartenstraße 26
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum30.04.1942
Todesdatum00.00.1942
Todesortunbekannt
   
Am 30.4. oder 3.5.1942 von Koblenz nach Krasniczyn deportiert und dort oder in den Vernichtungslagern im Raum Lublin wenig später ermordet
   
Thekla Schlamme war die Tochter von Julie und Nathan Schlamme und wurde in Erlangen 1891 geboren. Sie lebte seit 1899 mit ihren Eltern und einem Bruder - ein zweiter Bruder verstarb bereits als Kind - in Würzburg. In der Stadt am Main betrieben ihre Großeltern den Weinhandel \\\"Hermann Silberschmidt\\\", doch bereits ein Jahr vor dem Umzug nach Würzburg verstarb der Großvater. Bis 1913 lebte Theklas Familie in der Juliuspromenade 3 ½. Anschließend zogen Schlammes nach dem Tod der Großmutter in die Pleicherpfarrgasse 14 - in das Haus, in dem sich auch das Geschäft befand. Nachdem auch Theklas Vater 1914 verstorben war, führte wohl zunächst Theklas Mutter und ab 1918 ihr älterer Bruder Leo das Geschäft fort.
Im Ersten Weltkrieg leistete Thekla den für Frauen nicht unüblichen Kriegshilfsdienst. Kurze Zeit später heiratete sie 1921 in Würzburg den aus Passau stammenden Elias Schmidek, zu dem sie schließlich auch zog. Ihr Sohn Norbert kam am 1. Januar 1922 in der Stadt der drei Flüsse zur Welt. Nachdem die Ehe in die Brüche gegangen war, zog Thekla mit dem vierjährigen Norbert zu ihrer Mutter nach Würzburg und lebte ab 1934 in der Weingartenstraße 26. Im Herbst 1938 attestierte man Thekla eine geistige Krankheit und verbrachte sie in eine „Heil- und Pflegeanstalt“, vermutlich nach Werneck. 1940 konnte sie die Anstalt allerdings verlassen und für kurze Zeit bei ihrer Mutter leben, die zwischenzeitlich unfreiwillig in das \\\"Judenhaus\\\" in der Friedenstraße 26 umgezogen war. Danach wurde Thekla ein weiteres Mal stationär behandelt, diesmal in den \\\"Israelitischen Kuranstalten Sayn für Nerven & Gemütskranke\\\" bei Bendorf nahe Koblenz. Von dort wurde sie am 30. April oder 3. Mai 1942 über Koblenz nach Krasniczyn in Ostpolen deportiert. Über die dortigen Umstände ist heute nicht mehr viel bekannt. Vermutlich wurde sie von Krasniczyn in eines der ostpolnischen Vernichtungslager deportiert und kurz nach ihrer Ankunft irgendwo im Raum Lublin ermordet.
Norbert Schmidek, der über das Schicksal seiner Mutter erst viel später informiert wurde, gelang zuvor die Emigration in die USA. Bereits im Sommer 1939 verließ der 17-jährige Würzburg, kämpfte sich nach Westen durch und überquerte einige Zeit später illegal die Grenze nach Belgien. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits „staatenlos“, da man ihm die deutsche Staatsbürgerschaft schon zuvor wegen der polnischen Staatsangehörigkeit seines Vaters entzogen hatte. Nach einer die letzten Reserven aufbrauchenden Flucht gelangte er mit einigen Umwegen erst 1941 nach Lissabon und konnte von dort das rettende Schiff in die USA besteigen. Seine Großmutter Julie Schlamme wurde am 23.09.1942 von Würzburg aus in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Sie verstarb vier Monate nach ihrer Ankunft aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen.

Biographie erstellt 2009, überarbeitet 2014.
   
Quelle Nobert Schmidek, Endings and Beginnings, Mss. 1977 (JSZ);
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 511 und S. 521;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html.de (14.05.2014)
Autorin / Autor NN, akt. Anna Valeska Strugalla/JSZ
Paten Herr Franz Handel, Frau Walburga Handel
   
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