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Julie Schlamme

 
geboren am 13.01.1868 in Würzburg
Straße  Weingartenstraße 26
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum13.01.1943
TodesortTheresienstadt
   
Deportiert am 23.09.1942 nach Theresienstadt und dort am 13.01.1943 ermordet
   
Julie Schlamme kam 1868 als zweitältestes von sechs Kindern des Ehepaares Hermann und Regina Silberschmidt, geb. Ballin, in Würzburg zur Welt. Mit 20 Jahern heiratete sie 1888 den Weinhändler Nathan Schlamme. Zunächst lebte das Ehepaar im mittelfränkischen Erlangen. In dieser Stadt kamen 1889 Leo, 1891 Thekla und 1893 Guido - der bereits mit sieben Jahren verstarb - zur Welt. Kurz nach dem Tod von Julies Vater zog die Familie 1899 zur Mutter nach Würzburg. Dort wohnte die Familie zunächst in der Juliuspromenade 3 ½, bevor 1913 auch Julies Mutter verstarb und die Familie in die Pleicherpfarrgasse 14 umzog. Hier arbeitete das Ehepaar Schlamme in der von Nathan geführten Weinhandlung \\\"Hermann Silberschmidt\\\".
Doch auch Nathan starb früh und so war Julie ab 1914 verwitwet. Fortan führte sie das Geschäft für die Dauer des Krieges alleine weiter. Ihre Tochter Thekla, die seit 1926 mit dem Julies Enkel Norbert wieder im Haus wohnte, arbeitete währenddessen im Kriegshilfsdienst, der Sohn Leo als Soldat im Ersten Weltkrieg. Nach dessen Rückkehr übernahm er 1918 das Geschäft. Im Jahr 1934 zog die dreiköpfige Familie in die Weingartenstraße 26 um. Von dort aus wurde Julies Tochter im Herbst 1938 in eine Heil- und Pflegeanstalt, vermutlich nach Werneck, eingewiesen. Der Bruder Leo emigrierte wenig später mit dessen Familie in die USA, wo auch der 17-Jährige Norbert 1939 aufbrach, wenngleich er erst zwei Jahre später dort ankam. Julie blieb deshalb allein zurück. Nach einem unfreiwilligen Umzug in das sogenannte \\\"Judenhaus\\\" in der Friedenstraße 26 im Jahr 1940 konnte sie ihre Tochter Thekla im selben Jahr noch einmal kurzzeitig beherbergen. Doch kurze Zeit später wurde Thekla für unbestimmte Zeit in eine Nervenheilanstalt in der Nähe von Koblenz verbracht, von wo aus sie Ende April oder Anfang Mai 1942 nach Ostpolen deportiert wurde. Dort wurde sie kurz darauf von den Nationalsozialisten ermordet.
Julie Schlamme selbst zog 1941 ein weiteres Mal um, diesmal in das Altenheim in der Konradstraße 3. Von dort aus wurde sie am 23.09.1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie vier Monate später am 13.01.1943 aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen an ihrem 75. Geburtstag verstarb.

Biographie erstellt 2009, überarbeitet 2014.
   
Quelle Norbert Schmidek, Endings and Beginnings, Mss. 1977 (JSZ);
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 511 und S. 521;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html.de (14.05.2014);
Datenbank zum KZ Theresienstadt mit der Todesfallanzeige, http://www.holocaust.cz/de/victims/PERSON.ITI.619464 (15.05.2014).
Autorin / Autor NN, akt. Anna Valeska Strugalla/JSZ
Paten
   
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