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Anna Fricke

 
geboren am 29.08.1899 in Gießen
Straße  Rotkreuzstraße 7
Stadtteil
Todesdatum05.10.1940
TodesortPirna-Sonnenstein
   
29.8.1899 geboren in Gießen
1920 Anstalten Liesthal und Sonnenhalde/Riehen in der Schweiz
1921-1925 Aufenthalte in Hamburg und München
21.10.1926-30.12.1926 Psychiatrische Klinik Würzburg
30.12.1926-12.3.1928 Heil- und Pflegeanstalt Werneck
15.6.1928-25.4.1929 äußere Fürsorge bei den Eltern
28.6.1929-6.7.1929 Psychiatrie Würzburg
6.7.1929-5.10.1940 Heil- und Pflegeanstalt Werneck
5.10.1940 Transport nach Pirna-Sonnenstein
   
Anna Fricke wurde am 29.8.1899 in Gießen als Tochter von Max Viktor Rudolf Fricke und Anna Fricke, geborene Thoma, geboren. Ihr Vater war Kaufmann, die Mutter Wirtschafterin. Anna hatte noch eine jüngere Schwester,Else Mathilde. Über die Kindheit von Anna ist nichts bekannt. In den noch vorhandenen Unterlagen wird ihr Beruf als Kunstgewerblerin angegeben.
Erstes auffälliges Verhalten scheint sie im Alter von 20 Jahren gezeigt zu haben: sie redete unablässig, setzte sich unbekleidet an das Fenster, tobte. Aufenthalte in den Schweizer Anstalten Liesthal und Sonnenhalde in Riehen/Basel im Jahr 1920 scheinen nach einigen Monaten eine Verbesserung ihres Gesundheitszustandes gebracht zu haben. Die nächsten Jahre verbrachte Anna Fricke in Hamburg und München. In Hamburg, wo sie laut Eintrag in ihrer Krankenakte 1920 und 1921 lebte, war ihr Verhalten normal, sie konnte einer Arbeit nachgehen. 1924 scheint sich ihr Zustand wieder verschlechtert zu haben. Die Folgejahre verbrachte sie in München, wo sie bei Verwandten Aufnahme fand und zeitweise in einem Handarbeitsgeschäft arbeiten konnte. Immer wieder war sie jedoch auch bei ihren Eltern, die seit Anfang August 1923 in Würzburg in der Rotkreuzstraße wohnten. Ihr Gesundheitszustand in diesen Jahren wird als unstet geschildert, gute Phasen wechselten sich mit Phasen von großer Unruhe und Erregtheit ab.
Am 21.10.1926 wird Anna Fricke das erste Mal in der Psychiatrischen Klinik in Würzburg aufgenommen, wo sie bis 30.12.1926 als Patientin bleibt. Von dort wird sie, von zwei Krankenschwestern begleitet, in die Heil- und Pflegeanstalt Werneck gebracht und bleibt dort bis zum 12.3.1928. An diesem Tag holt ihr Vater sie ab und nimmt sie mit nach Hause. In die Klinik Werneck bringt er seine Tochter nicht mehr. In der Akte findet sich am 15.6.1928 der Eintrag, die Patientin sei nicht zurückgebracht worden und gelte als entlassen. Als Diagnose wird manisch-melancholisches Irresein vermerkt. Ab diesem Zeitpunkt befindet sich Anna in der "äußeren Fürsorge", bei ihren Eltern in Würzburg.
Anna selbst schildert in der Krankenakte drei Jahre später, im Jahr 1929 - als sie das zweite Mal in Werneck aufgenommen wird - ihren Tagesablauf während dieser Zeit der elterlichen Fürsorge folgendermaßen: sie sei "bei ihrer Mutter zu Hause gewesen, habe in der ersten Zeit nichts gearbeitet, nur ein wenig im Hause geholfen. Seit einigen Monaten nähe sie zu Hause. Sie sei fast immer lustig gewesen."
Am 28.6.1929 wird Anna Fricke zum zweiten Mal in die Psychiatrische Klinik Würzburg gebracht. "Gebracht von Student" ist in der Akte vermerkt. Anna ist unwillig, will sich nicht untersuchen lassen, beschimpft den Arzt. Sie hat Wahnvorstellungen, hört Stimmen. Sie wird jedoch auch als schlagfertig, leicht ansprechbar und einfühlbar beschrieben. Am 6.7.1929 erfolgt ihre Verlegung nach Werneck: "wegen Platzmangels", so der Eintrag in der Akte.
In Werneck bleibt Anna Fricke mehr als elf Jahre Patientin. Ob sie dort Besuch von ihrer Familie erhielt, ist nicht bekannt. Ihre Mutter Anna Fricke, geb. Thoma, verzieht am 14.6.1937 nach Wuppertal, zu ihrer jüngeren Tochter. Der Vater Max Viktor Rudolf Fricke ist seit Ende Oktober 1931 nicht mehr in Würzburg gemeldet.
Am 5.10.1940 wird Anna Fricke im Alter von 41 Jahren mit dem Transport Nr. 35 von Werneck nach Pirna-Sonnenstein gebracht und dort gleich nach ihrer Ankunft ermordet.
   
Quelle Stadtarchiv Würzburg, Grundliste; Uniarchiv Würzburg, Krankenakte Nr. 143/171 v. 1926; Stadtarchiv München, Meldekarte; Stadtarchiv Wuppertal, Meldekarte; Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein, Karteiblatt
Autorin / Autor Petra Blasius
Paten Herr Bernd Schutte
   
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