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Ludwig Müller

 
geboren am 22.04.1908 in Heidelberg
Straße  Rosengasse 4
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum10.12.1940
Todesdatum10.12.1940
TodesortGrafeneck
   
Zirkusplakateur, ledig, ev.
Eltern: Johann Müller, Schieferdeckermeister und Frau Elise, geb. Kühner
03.11.1930 Universitätsklinik Würzburg
24.01.1931 - 17.06.1932 Heil- und Pflegeanstalt Werneck
27.06.1932 - 5.10.1940 Heil- und Pflegeanstalt Werneck
05.10.1940 verlegt in die Heil- und Pflegeanstalt Lohr
13.11.1940 verlegt in die Heil- und Pflegeeanstalt Weinsberg
10.12.1940 verlegt in die Tötungsanstalt Grafeneck und dort vermutlich am selben Tag ermordet
   
Ludwig Müller wurde am 22.04.1908 in Heidelberg geboren. Seine Eltern waren der Schieferdeckermeister Johann Müller und seine Frau Elise, geb. Kühner. Ludwig hatte noch sechs Geschwister.
Seine Mutter musste ihre 7 Kinder als Näherin, Haushaltshilfe, Wäscherin und Putzfrau alleine durchbringen, da ihr Mann nach dem ersten Weltkrieg wegen Bigamie im Gefängnis saß. Viele Mitglieder der Familie Müller waren Kommunisten und im politischen Widerstand gegen Hitler aktiv. Der Zusammenhalt in der Familie war sehr eng.
Ludwig war zuletzt bei den Zirkusunternehmen Barum und Hagenbeck als Plakateur tätig. Dort hatte bereits seine Schwester Klara an der Kasse gearbeitet. Im November 1930 wurde er wegen Selbstmorddrohungen und Wahnideen in die Univerrsitätsklinik Würzburg eingewiesen. In den Aufnahmegesprächen gab Ludwig Müller an, er sei in der Schule immer gut gewesen, aber schüchtern und ängstlich. Vor allem eine Lehrerin habe ihm Angst gemacht. Freunde hätte er keine in der Klasse gehabt. Er führte das darauf zurück, dass er der einzige evangelische Schüler war.
Im Januar 1931 kam Ludwig Müller in die Heil- und Pflegeanstalt Werneck. Dort wurde er von Familienangehörigen, die ihm Essen und Wäsche brachten, regelmäßig besucht. Im Mai 1939 bekam seine Schwester Gertrud Besuchsverbot, weil sie ihrem Bruder Zigaretten mitgebracht hatte. Im Oktober stellte sie einen erneuten Besuchsantrag.
Ludwig Müller blieb mit einer kurzen Unterbrechung bis zum 5.Oktober 1940 in Werneck und wurde dann bei der Räumung der Einrichtung in die Heil- und Pflegeanstalt Lohr überführt. Da diese völlig überfüllt war, erfolgte am 13. November 1940 ein Transport mit 101 Patienten nach Weinsberg. Darunter war auch Ludwig Müller. Von dort wurde er am 10. Dezember in die Tötungsanstalt Grafeneck verlegt und wahrscheinlich am selben Tag vergast. Seinem Schwager Hans Walter, dem Ehemann seiner Schwester Klara, der als Vormund eingetragen war, wurde mitgeteilt, Ludwig Müller sei unerwartet an einer plötzlich aufgetretenen Krankheit verstorben.
   
Quelle Archiv des Bezirkskrankenhauses Lohr
Stadtarchiv Würzburg: Adressbücher, Grundlisten Erinnerungen der Angehörigen
Autorin / Autor Christina Burger
Paten Frau Carola Kehrle
   
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