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Franz Hermann Rohrer

   
geboren am 13.10.1903 in Würzburg
Straße  Semmelstraße 52
Stadtteil Altstadt
Todesdatum19.04.1941
TodesortDachau
   
geboren am 13.Oktober 1903
Eltern: Franziska, geb. Kuhn und Adam Rohrer, Flaschenbierhändler in Würzburg
Beruf: Kaufmann
verhaftet 1939, verurteilt § 175 Landericht Würzburg 27.07.1939
ermordet 9.4.1941 Dachau
   
Franz Hermann Rohrer wurde am 13. Oktober 1903 in Würzburg geboren. Seine Eltern waren Franziska, geb. Kuhn, und Adam Rohrer, Flaschenbierhändler in Würzburg. Zu seinem Werdegang sagte er vor der Geheimen Staatspolizei folgendes aus: „Ich besuchte in Würzburg 8 Kl. Volks- und 3 Kl. Berufsfortbildungsschule. Nach meiner Schulentlassung kam ich zu Josef Faber in die Brücknerstraße in die Lehre. Nach Beendigung meiner Lehrzeit verblieb ich noch weiterhin ungefähr 1½ Jahre bei dieser Firma. Im Jahre 1922 schied ich dort aus und kam zu der Kurzwarengroßhandlung Ludwig Schimmer hier Dominikanergasse. Hier verblieb ich bis 1924 und kam dann zu der Firma S.M. Baer in der Kaiserstrasse. In dieser Firma war ich bis zum Sommer 1932. Anschließend war ich ¾ Jahr arbeitslos. Am 1.5.1933 wurde ich bei Firma Max Schäfer als Buchhalter eingestellt und war ich dort bis zum 15.10.1938. Anschließend kam ich zur Firma Ankenbauer und Sohn, wo ich heute noch tätig bin. Mein Monatseinkommen beträgt z.Zt. 200 RM.
Beim Militär habe ich bis jetzt noch nicht gedient, auch bin ich noch nicht gemustert. Seit 1.5.1933 bin ich Mitglied der NSDAP. Einer sonstigen Organisation gehöre ich nicht an. Vor dem Jahr 1933 war ich politisch nicht organisiert.“
Vor seiner Verhaftung war Franz Rohrer im katholisch-kaufmännischen Männerverein Constantia aktiv und leitete dort die Jugendabteilung. Er muss bei den Jugendlichen sehr beliebt gewesen sein, denn nach seiner Entlassung baten seine Schützlinge den geistlichen Präses der Constantia, ihn wieder als Jugendleiter einzusetzen, was aber ohne Angabe von Gründen entschieden abgelehnt wurde.
Mit Freunden und Kollegen war er immer sehr großzügig, lud sie häufig zu Ausflügen mit seinem Auto ein, bezahlte ihnen Theaterbesuche und sogar KdF („Kraft durch Freude“) Reisen. Befragt, wieso er für die anderen alles bezahlte, sagte er, „dass er so nicht heiraten werde und das Geld irgendwie ausgeben wolle. Er sagte auch, dass er doch jeden Tag sterben könne, da er herzkrank ist und niemanden habe, dem er etwas vererben könne.“ (Gestapo-Vernehmung Max Späth, 4.4.1939)
Sein ehemaliger Chef Max Schäfer, bei dem er 5 Jahre tätig war, bezeichnete ihn als „sehr tüchtig“ und dass er in seinem Geschäft einen Vertrauensposten innehatte. Weiter sagte er aus, er kenne den Mann bereits seit 14 Jahren und habe nie bemerkt, dass er sich homosexuell betätigt.
Ende 1938 muss es aber zu Meinungsverschiedenheiten gekommen sein in deren Verlauf Schäfer der Deutschen Arbeitsfront (DAF) Schriftstücke übergab, die Rohrer belasten“ würden. Es handelte sich um zwei Briefe, die Franz Rohrer 1937 an einen ehemaligen Arbeitskameraden gerichtet hatte, welcher sie an Schäfer weiterreichte. Es hatte wohl zwischen den beiden in der Vergangenheit einen Vorfall gegeben, auf dessen gerichtliche Klärung Rohrer aber verzichten wollte, da er „ja jetzt wisse, wer der Urheber dieser Affäre“ sei. So schrieb er dem Kollegen: „Nächstens reden Sie keinen solchen Unsinn mehr… . Wenn Sie wieder zurückkommen, wollen wir uns mal gründlich darüber unterhalten… Eigentlich gehören Sie ja übergelegt, Ihnen die Hose stramm gezogen, das werde ich auch tun wenn Sie wieder da sind“. Im Übrigen bot er ihm an „Bis Sie wieder Stellung haben, will ich Ihnen jede Woche mit ein paar Mark unter die Arme greifen. Die geben Sir mir wieder zurück, wenn Sie … wieder Ihre geregelte Arbeit haben.“ (Unterstreichungen im Original). Diese beiden völlig harmlosen Briefe reichten aus, um ihn wegen des Verdachts der „widernatürlichen Unzucht“ in Polizeihaft zu nehmen und der Gestapo zu übergeben.
Bei dem Verhör am 4.4.1939 gibt er „zur Sache“ sexuelle Handlungen mit jungen Burschen in den Jahren 1937 und 1938 zu, bestreitet aber eine homosexuelle Veranlagung. Er sei „bestimmt normal veranlagt“ und ziehe Mädchen vor. Allerdings wollten diese immer gleich geheiratet sein, und das käme für ihn wegen seines Herzleidens nicht in Frage, da er sowieso nicht alt werden würde. Deswegen sei er auch immer sehr müde.
Nach seiner Vernehmung wurde er ins Gerichtsgefängnis Würzburg eingeliefert. Der Kreisleiter der NSDAP schloss ihn sofort fristlos aus der Partei aus.
Am 27.7.1939 wurde Franz Hermann Rohrer durch Urteil der großen Strafkammer beim Landgericht Würzburg wegen zweier Verbrechen der erschwerten Unzucht zwischen Männern zu einer Gefängnisstrafe von 1 Jahr und 9 Monaten verurteilt, abzüglich 3 Monate Untersuchungshaft.
Die Strafe wurde im Strafgefängnis Nürnberg vollstreckt und endete am 22.1.1941. Anschließend wurde er in Vorbeugungshaft genommen und in das Konzentrationslager Dachau eingewiesen.
Dort verstarb er am 9. April 1941 an einer Pneumonie nach einer am Tag zuvor „ohne Narkose“ von einem SS-Arzt durchgeführten Punktion. Es ist davon auszugehen, dass diese Punktion nicht in therapeutischer Absicht geschah, da SS-Ärzte generell nicht dazu da waren, die Häftlinge zu behandeln. Vermutlich handelte es sich um einen experimentellen Eingriff.
Franz Hermann Rohrer wurde 38 Jahre alt.
   
Quelle Gedenkbuch für die Toten des Konzentrationslagers Dachau. Dachau, 2011
Stadtarchiv Würzburg, Meldebogen Adam Rohrer
Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 10960
Gedenkstätte Dachau, email 17.2.2017; telefonische Mitteilung Albert Knoll 17.12.2018
Autorin / Autor Kristin Höhn
Paten Trude Rauch
   
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