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Jakob Steinhardt

   
geboren am 27.12.1875 in Gaukönigshofen
Straße  Domerschulstraße  21
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum04.03.1944
TodesortTheresienstadt
   
am 23. September 1942 nach Theresienstadt deportiert und am 4. März 1944 dort ermordet
   
Jakob Steinhardt war das zweite Kind des Handelsmanns und Weinkommissärs Josef Steinhardt (1843-1914) aus Gaukönigshofen und seiner Ehefrau Karoline geb. Krämer (1849-1901) aus Hüttenheim. Vor ihm war der Bruder Salomon (1874-1943) auf die Welt gekommen, nach ihm noch die sieben jüngeren Geschwister Isidor (1877-1933), Ernestine (Jg. 1878), Sigmund (1880-1955), Bernhard (1884-1940), Mathilde (Jg. 1886), Hannchen (Jg.1888) und Sali (1895).

Jakob erlernte den Beruf des Buchhalters und diente offensichtlich als über 40-Jähriger ebenso wie seine Brüder Isidor, Sigmund und Bernhard als Soldat im 1. Weltkrieg. In den Krankenunterlagen seines Bruders Bernhard aus dem Jahr 1918 hieß es, der Bruder Jakob „sei unter Waffen“. Während sich die ersten beiden nach dem Krieg als Weinhändler in Würzburg niederließen, kam der Bruder Bernhard schwer traumatisiert zurück und wurde nach Verbüßung einer Haft wegen Befehlsverweigerung 1918 als unheilbar krank in die Nervenheilanstalt Lohr eingewiesen.

Wo sich Jakob nach dem Kriegsende aufhielt, ist unklar. Jedenfalls folgte er seinen Brüdern 1925 nach Würzburg, wo auch die Schwester Sali verheiratet war. Bis Februar 1939 wohnte er in der Domerschulstraße 21 zur Untermiete bei Blum. Über sein Leben in Würzburg ist nichts bekannt. Er blieb unverheiratet.
Bald nach dem Novemberpogrom verlor er seine Arbeit, musste vermutlich Zwangsarbeit leisten und wohnte von September 1939 bis Mai 1941 bei dem Weinhändler Bertold Schäfer in der Franziskanergasse 12.

Am 23. September 1942 wird der 66-Jährige zusammen mit seinem Bruder Salomon und dessen Ehefrau Marianne von der Bibrastraße 6 aus mit dem großen Alterstransport nach Theresienstadt deportiert. Dort stirbt er in Folge der unmenschlichen Lebensbedingungen am 4. März 1944.
Sein Bruder Salomon war dort bereits ein Jahr vor ihm und seine Schwester Sali mit Tochter im Raum Lublin umgekommen. Bernhard war im September 1940 in Hartheim ein Opfer der Krankenmorde geworden. Während der Bruder Sigmund und die Schwester Mathilde, verh. Huth emigrieren konnten, ist über das Schicksal der Schwestern Hannchen und Ernestine, die 1920 noch in Gaukönigshofen gelebt hat, nichts bekannt.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, Bd. II, S. 586-589;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de974060 (20.11.2018);
Stadtarchiv Würzburg, Grundlisten Domerschulstraße 21, Franziskanergasse 12;
Statistik und Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich, http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_bay_420923.html (20.11.2018);
Auskunft von Herrn Georg Menig, Archivar der Gemeinde Gaukönigshofen vom 28.11.2018;
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs des Bundesarchivs;
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Jakob Steinhardt und seine Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/;
Krankenakte von Bernhard Steinhardt, Archiv des Bezirkskrankenhauses Lohr.
Autorin / Autor Ingrid Sontag
Paten Frau Andrea Herold
   
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