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Fred (Alfred Ludwig Johann) Joseph

 
geboren am 18.10.1911 in Luzern/Schweiz
Straße  Bibrastraße 2 1/2
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum00.11.1942
Todesdatum21.01.1943
TodesortAuschwitz
   
deportiert im November 1942 nach Auschwitz und dort am 21.01.1943 ermordet
   
Fred Joseph entstammte einer christlich-jüdischen Mischehe. Seine Eltern Alfred Joseph (1988-1956) und Margarete geb. Putz (1887-1944) waren Würzburger. Sie kehrten nach mehrjährigem Aufenthalt in der Schweiz und in Mannheim 1916 mit ihren Kindern Fred und Hans (1914-1971) in ihre Heimatstadt zurück. Fred Joseph besuchte in Würzburg die Volksschule und das Realgymnasium, wo er 1930 das Abitur ablegte. Er arbeitete dann als Praktikant und Assistent in der Adler-Apotheke von Max Mandelbaum und nahm in der Folge das Studium der Pharmazie an der Universität Würzburg auf.

Um 1931 trat er dem Rhönclub bei und redigierte dessen Jugendzeitschrift bis zum Verbot 1933. Er engagierte sich dann in der katholischen Jugendbewegung und trat Ende 1934 in die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg, Bezirk St. Kilian, Würzburg, ein, wo er schon 1935/36 zum Jugendleiter und Stammesfeldmeister berufen wurde. Nach wiederholten Konfrontationen seiner Gruppe mit der Hitlerjugend wurde er im Oktober 1936 für einen Monat inhaftiert. Im Juli 1937 wurde er zu fünfeinhalb Monaten Haft verurteilt, trat die Haft wegen des Revisionsverfahrens jedoch nicht an. Daraufhin verlor er den Arbeitsplatz, die Approbation wurde ihm aus politischen Gründen verweigert.

1937 zog er nach Pforzheim, wo er eine Pfadfindergruppe gründete und trotz Verbots Rundbriefe versandte. Im Juli 1941 wurde ein solcher Brief gefunden, und Fred Joseph wurde denunziert. Ab Ende Oktober 1941 war er nach Gestapo Ermittlungen in \\\\\"Schutz\\\\\"- und Untersuchungshaft. Im Januar 1942 wurde er vom Sondergericht Mannheim zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, kurz nach der Entlassung aber am 13. November 1942 in Würzburg wieder in \\\\\"Schutzhaft\\\\\" genommen. Auf Anordnung der Gestapo Karlsruhe vom 29. November 1942 wurde er nach Auschwitz deportiert, wo er angeblich an Rippenfellentzündung starb.

Freds Vater Alfred geriet im Zuge des November-Progroms in „Schutzhaft“. Während seine pflegebedürftige Ehefrau in Würzburg zurückbleiben musste, emigrierte Alfred Joseph nach seiner Entlassung aus Buchenwald im Februar 1939 nach Rotterdam. Dort arbeitete er eng mit Anne Franks Vater Otto Frank zusammen, mit dem er befreundet war. Sie halfen geflüchteten Juden. Fred schickte seinem Vater Geld an eine Deckadresse, mit dem auch die Familie Frank versorgt wurde. Anders als ihre Kinder Fred Joseph und Anne Frank überlebten die Väter Deportationen und Holocaust. In einem Brief vom 18. November 1947 an Freds Vater bedankt sich Otto Frank für die finanzielle Unterstützung.
Biografie 2006 erstellt, im Juli 2019 ergänzt.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 281;
Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg, Bezirk St. Kilian, Würzburg-Stadt: Würzburger Georgspfadfinder in schwerer Zeit 1933-1945. Fred Joseph - Weg eines Leiters, Würzburg 1983;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/1558534, (02.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=joseph&s_firstName=ludwig&s_place=&itemId=1915049&ind=5&winId=567677692007485692 (02.06.2016);
Mainpost vom 21.11.201, S. 27, „Als Anne Franks Vater sich bedankte“;
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Fred Joseph und seinen Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/, (25.7.2018).
Autorin / Autor Hans-Peter Baum, Ingrid Sontag
Paten Die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg Bezirk St. Kilian, Herr Jürgen Gottschalk
   
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