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Julian Gron

   
geboren am 18.04.1922 in Siedlze, Polen
Straße  Friesstraße/Ecke Zwerchgraben 
Stadtteil Frauenland
Todesdatum22.07.1944
TodesortKZ Flossenbürg
   
nach Verurteilungen wegen Arbeitsvertragsbruchs und verschiedener Eigentumsdelikte am 2. April in Würzburg als politischer Gefangener festgenommen, am 29. Mai 1944 ins KZ Flossenbürg gebracht und dort am 22. Juli 1944 hingerichtet
   
Julian Gron wird am 18. April 1922 in Siedlze in der Gegend von Krakau geboren. Er war röm.-katholischer Konfession, ledig und von Beruf Maschinenschlosser.

Der damals noch nicht 18-Jährige kommt unter ungeklärten Umständen im Januar 1940 zum Arbeitseinsatz nach Würzburg. Es lässt sich jedenfalls nicht belegen, ob er sich dazu freiwillig gemeldet hat. Zunächst vermittelt ihn das Arbeitsamt nach Lengfeld und später auf einen Bauernhof bei Zell.
Nach dem eigenmächtigen Verlassen seines Arbeitsplatzes wird er in Berlin festgenommen und zurück ins Gerichtsgefängnis nach Würzburg überstellt. Am 2. Dezember 1941 verurteilt ihn das Amtsgericht Würzburg zu einem Jahr und zwei Monaten Gefängnis wegen Diebstahls. Etwa ein Jahr später wird er am 12. Dezember 1942 aus dem Gefangenenlager Rodgau in Hessen nach Verbüßung der Haftstrafe entlassen und nach Würzburg zurückgebracht.
Im Jahr 1943 erhält er eine „Vorstrafe“ wegen Arbeitsvertragsbruchs und sieben Monate Haft in Nürnberg wegen Diebstahls. Im Dezember 1943 wird Gron nach seiner Rückkehr nach Würzburg vom Arbeitsamt einer Autoreparaturwerkstatt in der Horst-Wessel-Straße (Grombühlstraße) in Würzburg zugewiesen, wo er 40.- RM monatlich verdient. Untergebracht ist er zu der Zeit im Lager II der Deutschen Arbeitsfront (DAF) in der Eppstraße, der heutigen Frankfurter Straße.
Später wohnt Gron ohne Genehmigung bei einer Frau in Thüngersheim zur Untermiete und unterhält nach Aktenlage sowohl mit ihr, als auch mit deren Untermieterin ein sexuelles Verhältnis. Beide Frauen kommen wegen Hehlerei und Umgangs mit Polen in Untersuchungshaft. Allein die Tatsache des verbotenen Verkehrs mit deutschen Frauen wäre nach der damals gängigen Praxis für eine Einweisung in ein Konzentrationslager ausreichend gewesen.

Am 2. April 1944 erfolgt schließlich die Festnahme Grons als politischer Gefangener und die Inhaftierung wegen mehrfachen Einbruchdiebstahls und Hehlerei im Gestapo-Notgefängnis. Während seiner Vernehmung am 3. April 1944 räumt Gron die zahlreichen Einbruchdiebstähle ein, die er gemeinsam mit anderen Zivilarbeitern begangen hat. Der Ermittlungsbericht vom 19. April 1944 resümiert: Gron, sein Kollege Osada und ein weiterer Zivilarbeiter hätten zahlreiche Einbruchdiebstähle verübt und das Diebesgut an Fremdarbeiter verkauft. Aufgezählt werden 8 Kellereinbrüche, 31 Gartenhauseinbrüche, 4 Wäsche-, 2 Fahrrad- und 15 Kleintierdiebstähle. Dabei hätten sie sich die Kriegssituation zu Nutze gemacht (Verdunkelung, Lagerung von Eigentum im Keller zur Sicherheit, …). Der verursachte Schaden wird mit 8.000 – 10.000 RM beziffert.
Am 9. Mai 1944 wird Gron ins Polizeigefängnis Nürnberg gebracht, wie es heißt „zur weiteren Verwendung durch die Gestapo-Leitstelle Nürnberg-Fürth“. Diese stellt beim Reichssicherheitshauptamt (RSHA) in Berlin Antrag auf Schutzhaft und Einweisung in ein KZ. Nach dem entsprechenden Erlass des RSHA wird Gron bald darauf mit Einzeltransport ins KZ Flossenbürg gebracht. Seine Registrierung unter der Haftnummer 1049 erfolgt am 29. Mai 1944.

Julian Gron erhält nach NS-Sprachgebrauch eine sogenannte „Sonderbehandlung“, d.h. er wird am 22. Juli 1944 im KZ Flossenbürg hingerichtet.
   
Quelle Informationen der KZ Gedenkstätte Flossenbürg;
Staatsarchiv Würzburg, Gestapo 21957.
Autorin / Autor Alexander Kraus, Ingrid Sontag
Paten
   
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