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Maria Jozefa Kapela

 
geboren am 16.03.1906 in Sucha, Polen
Straße  Friesstraße/Ecke Zwerchgraben 
Stadtteil Frauenland
Todesdatum05.01.1945
TodesortKZ Ravensbrück
   
wegen schlechter Arbeitsleistung und Arbeitsverweigerung mehrfach in Erziehungshaft, letztmalig am 26.09.1944 verhaftet, am 16. November nach Nürnberg und von dort ins KZ Ravensbrück gebracht, wo sie am 5. Januar 1945 ermordet wird
   
Maria Jozefa Kapela wird am 16. März 1906 im polnischen Sucha geboren, ein Ort im Kreis Zywiec im Regierungsbezirk Krakau. Ihre Konfession wird in den Akten mit „römisch-katholisch“, ihr Familienstand als „ledig“ angegeben.
Kapela besucht zunächst acht Klassen der Volksschule in Sucha und anschließend fünf Jahre das Lehrerinnen-Seminar in Krakau und Zywiec. Im Alter von 21 Jahren schließt sie ihre Ausbildung mit der Abschlussprüfung ab. Danach ist sie ein Jahr lang an der Universität in Krakau tätig. Nach dem Überfall der Deutschen Wehrmacht auf Polen lebt sie bei den Eltern und arbeitet danach bis März 1943 in einer Papierbeutelfirma in Lagiewniki.
Ende März 1943 wird Kapela zwangsweise mit einem Sammeltransport zum Arbeitseinsatz nach Würzburg deportiert. Das Arbeitsamt in Würzburg vermittelt sie zu einer Bäuerin nach Riedenheim. Da sie für landwirtschaftliche Tätigkeiten ungeeignet sei, schickt man sie wegen schlechter Arbeitsleistung zurück nach Würzburg. Ihr nächster Einsatzort ist ein Lokal in der Hindenburgstraße (Friedrich-Ebert-Ring) und bereits nach neun Tagen weist man sie einer Gaststätte am Sanderring zu.
Beschwerden führen am 20. März 1943 zu ihrer Festnahme als politische Gefangene. Inhaftiert ist sie vom 20. Juni 1943 an in der Haftanstalt Würzburg, da die Frauenbaracke im Gestapo-Notgefängnis noch nicht fertiggestellt ist. Laut Vernehmungsprotokoll vom 20. Juni 1943 wirft man ihr vor, schlechte Arbeit zu leisten, die Arbeit verweigert und andere Küchenhilfen geschlagen zu haben, außerdem den Diebstahl von Küchenmessern. Kapela gesteht zu, für landwirtschaftliche Tätigkeit ungeeignet zu sein und auch schwere Arbeit als Küchengehilfin nicht leisten zu können. Sie habe „keine Kraft in den Händen“. Sie bestreitet die anderen Vorwürfe und gibt an, selbst von ihrer Chefin und Küchenhilfen geschlagen worden zu sein. Das Verhör endet mit ausführlicher Zurechtweisung, schärfster Verwarnung und der Androhung auf Einweisung in ein Konzentrationslager bei neuerlicher Beanstandung. Am 12. Juli 1943 wird sie aus der Erziehungshaft entlassen.
Das Arbeitsamt vermittelt sie weiterhin in eine Gaststätte. Deren Besitzer schickt sie am 11. November 1943 wegen schlechter Arbeitsleistung und Arbeitsverweigerung zum Arbeitsamt zurück. Die Gestapo-Außenstelle wird vom Arbeitsamt informiert und diese veranlasst die umgehende Festnahme Kapelas als politische Gefangene und die Inhaftierung im Gestapo-Notgefängnis wegen Verlassens des Arbeitsplatzes. Das Vernehmungsprotokoll vom gleichen Tag hält den Ablauf der Ereignisse fest. Kapela sagt aus, sie sei krank, habe Kopf-, Lungen- und Armschmerzen und sei als Lehrerin nicht das Arbeiten gewohnt. Sie möchte zurück nach Polen. Die Vernehmung endet mit der schärfsten Verwarnung. Eine Aktennotiz mit demselben Datum dokumentiert den Antrag auf Überweisung in ein KZ wegen wiederholter Arbeitsverweigerung, auch wird die Amtsärztliche Untersuchung veranlasst. Das Staatliche Gesundheitsamt bestätigt Kapela am 17. November 1943 Haft-, Transport-, Arbeits- und Lagerfähigkeit und ohne Anzeichen von Krankheiten zu sein. Während der Erziehungshaft ist sie im Gestapo-Notgefängnis untergebracht und muss zum Arbeitseinsatz in eine Seifenfabrik. Am 14. Dezember 1943 aus der Haft entlassen, verlässt sie noch am gleichen Tag unerlaubt ihren Arbeitsplatz und begeht somit „Arbeitsvertragsbruch“. Noch am selben Tag wird sie am Hauptbahnhof aufgegriffen und erneut verhaftet. – Kapela wollte ohne Ausweispapiere nach Berlin fahren.
Es folgt wieder eine kurze Erziehungshaft im Gestapo-Notgefängnis bis zum 6. Januar 1944. Das Arbeitsamt weist sie einer Kugelhalterfabrik in der Eichendorffstraße zu, die sie im betriebseigenen Lager in der Zeppelinstraße (an der Ecke zur Methfesselstraße) unterbringt.
Ein Protokoll vom 25. September 1944 vermerkt, dass Kapela in der Schweinfurter Straße ohne Papiere aufgegriffen wurde und ohne das „P“-Kennzeichen an der Kleidung, das alle polnischen Fremdarbeiter tragen müssen. Als Erklärung gibt sie an, nicht ins Lager zurückgefunden und sich verlaufen zu haben. Auf dem Weg zur Stapo (Staatspolizei) sei sie entwichen, später in den Anlagen erneut aufgegriffen und ins Lager zurückgebracht worden. Tags darauf wird sie zur Nachtzeit verhaftet „wegen Nichtragens des Abzeichens „P““, Arbeitsverweigerung und Streunens. Im Vernehmungsprotokoll vom 11. Oktober 1944 findet sich die Aussage von Kapela, wonach sie von einem Besuch einer Freundin in Riedenheim zurückgekommen sei. Wegen Krankheit und einem geschwollenen Fuß habe sie ihrer Arbeit nicht nachkommen können. Der Arztbesuch im Lager sei ihr verweigert worden. Die übrigen Vorwürfe räumt sie ein. Die weitere Amtsärztliche Untersuchung am 25. Oktober 1944 attestiert Kapela Haft- und Lagerfähigkeit und eine Frist von 2 Wochen bis zur Arbeits- und Transportfähigkeit. Die Schutzhaft wird angeordnet und 13. November 1944 eröffnet.
Mit einem Sondertransport kommt sie nach Nürnberg und von dort am 16. November 1944 mit Sammeltransport weiter nach Ravensbrück. Dort stirbt Maria Jozefa Kapela am 5. Januar 1945 angeblich an Magen-Darmkatarrh.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapo Würzburg 19889.
Autorin / Autor Alexander Kraus, Ingrid Sontag
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