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Dr. Alexander Nicitin

   
geboren am 10.10.1907 in Riga
Straße  Friesstraße/Ecke Zwerchgraben 
Stadtteil Frauenland
Todesdatum24.11.1944
TodesortGestapo-Notgefängnis Würzburg
   
am 18. Juli 1944 verhaftet und am 24. November 1944 wegen Vorbereitung zum bewaffneten Aufstand hingerichtet
   
Alexander Nicitin wird am 10. Oktober 1907 in Riga geboren. Über sein Leben ist nur bekannt, dass er Medizin studiert sowie promoviert haben muss und als Arzt tätig gewesen ist. Unter welchen Umständen er zum Arbeitseinsatz nach Deutschland kommt, weiß man nicht.

Im Juni 1942 wird er im Zuge des Ostarbeitereinsatzes nach Aschaffenburg überstellt. Eine kurze Zeit arbeitet er in der Industrie, bevor dann seine Übernahme durch die „DAF-Kreisverwaltung Aschaffenburg“ (Deutsche Arbeitsfront) als sogenannter Ostarzt erfolgt. Dr. Nicitin ist von da an für die ärztliche Betreuung der Ostarbeiter in den Lagern der DAF in Aschaffenburg, den Landkreisen Aschaffenburg, Obernburg, Miltenberg, Alzenau und Lohr zuständig.
Alexander Nicitin wird am 31. Mai 1944 in ein Krankenhaus zur Behandlung eingeliefert und kurz vor dem 18. Juli 1944 wieder entlassen.
Am 18. Juli 1944 erfolgt seine Festnahme als politischer Gefangener durch die Kriminalpolizei und noch am selben Tag überstellt man ihn der Gestapo-Außenstelle in Würzburg und inhaftiert ihn im Gestapo-Notgefängnis wegen staatsfeindlichen Verhaltens. Hier wird er ebenfalls als Lagerarzt eingesetzt. Während seines Verhörs am 20. September 1944 geht es auch um eine Verbindung zu einem Konrad Köhler. Laut Akten sagt Dr. Nicitin aus, er habe diesen im Lager Schießhaus in Aschaffenburg kennengelernt. Nach dem Fall von Stalingrad habe Köhler ihm erzählt, dass er der Kommunistischen Partei angehört habe und sich alle ehemaligen Mitglieder in Konzentrationslagern befänden. Gemeinsam hätten sie Pläne für den bewaffneten Widerstand geschmiedet. Ein Schreiben der Gestapo Würzburg vom 23. November führt aus: „Da er schon seit längerer Zeit in Verdacht stand, in den von ihm betreuten Ostarbeiterlagern konspirative, kommunistische Wühl- und Zersetzungsarbeit zu leisten, wurden in Ermittlungen hauptsächlich auch in diese Richtung geführt. Nach dem jetzt vorliegenden Ermittlungsergebnis steht einwandfrei fest, daß Nicitin unter den Ostarbeitern, insbesondere in Aschaffenburg und Umgebung den bewaffneten Widerstand vorzubereiten suchte.“ Man kommt zu dem Schluss, dass Nicitin in dem Lagerkoch Konrad Köhler einen Gesinnungsgenossen und Unterstützer gefunden hat. Köhler, am 30. September 1895 in Aschaffenburg geboren, war früher Schlosser und Mitglied der KPD. Sein Sohn ist in Russland gefallen. Alexander Nicitin und Konrad Köhler unterhalten offenbar ein fast freundschaftliches Verhältnis.

Am 24. November 1944 wird Dr. Alexander Nicitin gemäß dem Erlass des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) „wegen versuchter Bildung von Widerstandsgruppen und Vorbereitung zum bewaffneten Aufstand“ in Würzburg hingerichtet.

Konrad Köhler verstirbt am 25. Januar 1945 noch vor seiner Verurteilung im Staatlichen Luitpoldkrankenhaus in Würzburg an Lungenentzündung, Rippenfellentzündung und Kreislaufschwäche.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapo Würzburg 4400.
Autorin / Autor Alexander Kraus, Ingrid Sontag
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