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Stanislaw Osada

   
geboren am 17.11.1922 in Pruchnik, Polen
Straße  Friesstraße/Ecke Zwerchgraben 
Stadtteil Frauenland
Todesdatum22.07.1944
TodesortKZ Flossenbürg
   
nach Verurteilungen wegen Arbeitsvertragsbruchs und Eigentumsdelikten am 2. April in Würzburg als politischer Gefangener festgenommen, am 29. Mai 1944 von Nürnberg ins KZ Flossenbürg gebracht und dort am 22. Juli 1944 ermordet
   
Pruchnik im Kreis Jaroslaw des Regierungsbezirks Krakau ist der Geburtsort von Stanislaw Osada, der dort am 17. November 1922 als Sohn von Wladyslaw Osada und seiner Ehefrau Magdalena geb. Krupa zur Welt kommt. Er hat mindestens sieben Geschwister, ist Katholik und ledig, hat keine Volksschule besucht und kann weder Lesen noch Schreiben.

Nach freiwilliger Meldung zum Arbeitseinsatz gelangt er am 9. Februar 1943 mit einem Sammeltransport als Zivilarbeiter ins Deutsche Reich und nach Würzburg. Er wird nach der Erfassung im sog. Russenlager der Deutschen Arbeitsfront (DAF) in der Eppstraße untergebracht.
Bereits am 7. März 1943 verlässt er eigenmächtig das DAF-Lager und so erreicht die Gestapo-Außenstelle am 9. März 1943 eine Meldung der Schutzpolizei über eine Mitteilung des Lagerführers Johann Scherer. Am 19. März 1943 geht bei der Gestapo-Außenstelle in Würzburg ein Schreiben der Gestapo-Leitstelle Nürnberg-Fürth ein über die Verhaftung von Osada und seinem Kollegen Pinda im Landkreis Scheinfeld und deren Einweisung ins Polizeigefängnis in Nürnberg. Die Rücküberstellung mit einem Sammeltransport nach Würzburg ins Gestapo-Notgefängnis und die Festnahme Osadas als politischer Gefangener erfolgt am 2. April 1943. Der Haftgrund lautet auf Verlassen des Arbeitsplatzes, bzw. Verlassen des Wohn- und Beschäftigungsortes, was Ostarbeitern ohne Genehmigung des Arbeitsamtes, des zuständigen Gendarmerie-Postens oder des Bürgermeisters ausdrücklich verboten ist. Im Vernehmungsprotokoll vom 3. April 1943 heisst es, dass Pinda und er für Besorgungen in die Stadt gegangen seien, sich verlaufen hätten und auf der Landstraße festgenommen worden seien. Das Verhör endet mit der schärfsten Verwarnung, dem Hinweis auf die Vorschriften für polnische Zivilarbeiter während ihres Arbeitseinsatzes in Deutschland und der Eröffnung strengerer staatspolizeilicher Maßnahmen bei nochmaliger Beanstandung, evtl. der Einweisung in ein Konzentrationslager.
Am 10. April 1943 entlässt man Osada aus Polizeihaft und schickt ihn nach Würzburg zurück. Das Arbeitsamt Würzburg weist ihn noch am selben Tag einem Schlackensteinwerk mit Brennstoffhandel in den Aumühlwiesen zu und bringt ihn wieder im „Russenlager“ in der Eppstraße unter.
Die nächste Festnahme als politischer Gefangener und Inhaftierung wegen Einbruchdiebstählen geschieht am 2. April 1944. Laut dem Vernehmungsprotokoll vom 6. April 1944 räumt Osada die zahlreichen Einbruchdiebstähle ein, die er mit dem ebenfalls inhaftierten Zivilarbeiter Gron begangen hat. Der Ermittlungsbericht vom 19. April 1944 stellt fest, dass Gron, Osada und ein weiterer Mittäter namens Pinda nachweislich zahlreiche Einbruchdiebstähle verübt haben und das Diebesgut an Zivilarbeiterinnen und einen Zivilarbeiter verkauft haben. Es vermerkt 8 Kellereinbrüche, 31 Gartenhauseinbrüche, 4 Wäsche-, 2 Fahrrad-, und 15 Kleintierdiebstähle, einen Schaden in Höhe von 8.000 – 10.000 RM. Als erschwerend wird angesehen, dass die drei die Kriegssituation (Verdunkelung, Lagerung von Eigentum im Keller zur Sicherheit, …) ausgenutzt haben.
Auf Grund des Ermittlungsergebnisses wird Osada am 9. Mai 1944 „zur Verfügung der Gestapo-Leitstelle Nürnberg-Fürth“ ins Polizeigefängnis Nürnberg gebracht, wo ein Antrag auf „Sonderbehandlung“ und einer auf „Inschutzhaftnahme und Einweisung in ein Konzentrationslager“ gestellt wird. So wird Osada am 29. Mai 1944 im KZ Flossenbürg unter der Haftnummer 10496 registriert.

Dort kommt Stanislaw Osada am 22. Juli 1944 nachweislich ums Leben, wahrscheinlich durch Exekution, eine Form der im Nazi-Jargon sogenannten „Sonderbehandlung“.

In der Gestapo-Akte ist eine Aktennotiz erhalten, dass bei einer Haussuchung bei seiner Mutter in Pruchnik diverse Kleidungsstücke beschlagnahmt worden sind.
   
Quelle Informationen der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg; Staatsarchiv Würzburg, Gestapo 21957.
Autorin / Autor Alexander Kraus, Ingrid Sontag
Paten
   
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