zurück

Karolina Schafheimer

   
geboren am 13.03.1870 in Lohrhaupten
Straße  Dürerstraße 14
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum09.12.1942
TodesortTheresienstadt
   
am 23. September 1942 nach Theresienstadt deportiert und bald darauf ermordet
   
Karolina (Karoline) war die jüngste Tochter des Lohrhaupteners Jonas Schafheimer (1835-1923) und seiner Frau Regine, geb. Strauss aus Burgsinn (1835-1915). Ihre Eltern hatten 1859 geheiratet und wohnten in Lohrhaupten im Haus Nr. 108. In den Jahren danach waren Karolinas vier ältere Schwestern Jette (Jg. 1860), Lina (Jg. 1861), Mina (1863-1943) und Sara (1865-1943) sowie ihr Bruder Löb (Leopold) (1866-1927) auf die Welt gekommen. Nach Karolina wurden noch die beiden Brüder Binyamin (Benjamin) (1874-1916) und Wolf Hirsch (1877-1901) geboren. Der Beruf des Vaters ist im Synagogenbuch von Lohrhaupten zunächst als Metzger und dann als Kaufmann bzw. Handelsmann angegeben, später in anderen Quellen als Bäcker.
Das kleine Dorf Lohrhaupten bot den Geschwistern keine Perspektiven, so dass Karolina Schafheimer, die wie ihre Schwestern ledig blieb, im Sommer 1905 als 35-Jährige nach Würzburg kam, wo ihr Bruder Löb bereits seit 1896 wohnte und eine Milchhandlung in der Reibeltgasse 3 betrieb. Karolina fand Anstellung als Köchin und kam zunächst bei ihrer Schwester Mina in der Johannitergasse 14 unter. Bis Oktober 1936 wohnte sie in der Sanderstraße 33. In der Hausliste ist dort im gleichen Zeitraum auch ein „Lenchen Schafheimer“ gemeldet. Vermutlich handelt es sich um eine ihrer Schwestern. Die genaue Zuordnung ist kaum möglich, denn Lina ist der Name ihrer 1861 geborenen Schwester, Karolinas eigener Name wird oft auf Lina verkürzt und ihre Schwester Mina steht im Einwohnermeldebogen als „Lina“.
Spätestens ab Oktober 1906 ist Karolina im Haushalt von Meier Oppenheimer in der Ludwigstraße 23 in Stellung, wo sie auch wohnt. Mit dem verwitweten Mann zieht sie 1922 nach Mannheim, wo die Tochter von Oppenheimer, Clara (Flora?) Kauffmann verheiratet ist. Als der Witwer im Jahr 1924 stirbt, kommt Karolina zurück nach Würzburg.
Im Einwohnermeldebogen ist ihre Adresse ab November 1924 mit „Gerbrunnerstraße 20 (Krankenhaus)“ angegeben. Diese wurde später in Dürerstraße umbenannt. Vermutlich war sie mit ihren 54 Jahren dort zunächst als Köchin tätig, bevor sie zwischen 1931 und 1934 im Würzburger Adressbuch als Pfründnerin im Altersheim der Dürerstraße verzeichnet ist, mal unter dem Namen Karolina, mal als Lina.

Am 23. September 1942 wird sie zusammen mit dem zweiten großen Alterstransport nach Theresienstadt deportiert, wo sie auf ihre Schwestern Mina (wiederum als Lina in der entspr. Deportationsliste geführt) und Sara trifft, die von Lohrhaupten aus bereits kurz vor ihr am 1. September dorthin verschleppt wurden. Karolina stirbt wenige Wochen nach ihrer Ankunft in Folge der unmenschlichen Lebensbedingungen am 9. Dezember 1942, zwei Monate vor ihren beiden Schwestern. Ihre Brüder waren schon vor der Nazi-Zeit gestorben. Über das Schicksal ihrer Schwestern Jette und Lina ist nichts bekannt.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, Bd. II, S. 504-505;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de963134 (30.06.2018);
Ghetto Theresienstadt Opferdatenbank, https://www.holocaust.cz/de/datenbank-der-digitalisierten-dokumenten/dokument/89726-schafheimer-karoline-todesfallanzeige-ghetto-theresienstadt/;
Statistik und Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich, http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_bay_420923.html;
Hessisches Hauptstaatsarchiv, 365 Judenregister aus hessischen Gemeinden, Jüdische Personenstandsregister von Lohrhaupten (Flörsbachtal) Laufzeit: 1826-1878, https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction.action?detailid=v4101088# (30.06.2018);
Auskunft und Bilder von Herrn Udo Weiß, Recherchen aus dem Synagogenbuch Lohrhauptens und dem Verzeichnis der Grabsteine von Altengronau Lohrhaupten, https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/gsearch/sn/juf?q=SChafheimer&submit=LAGIS-Suche;
geni.com, https://www.geni.com/people/Regina-SCHAFHEIMER/6000000054195759940;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1905-1940, Einwohnermeldebogen von Karolina, (Lina=) Mina, Loeb, Benjamin und Jettchen Schafheimer, GrundlistenJohannitergasse 14, Sanderstraße 33, Reibeltgasse 3;
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs des Bundesarchivs;
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Karolina Schafheimer und ihren Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/.
Autorin / Autor Ingrid Sontag
Paten Arno Henning
   
zurück