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Bernhard Dannenberg

   
geboren am 21.09.1877 in Ziegenhain
Straße  Franziskanergasse 4
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum25.04.1942
Todesdatum03.06.1942
TodesortRegion Lublin
   
am 25.04.1942 nach Krasnystaw deportiert und in einem der Vernichtungslager der Region Lublin ermordet
   
Bernhard Dannenberg wurde am 21. September 1877 im nordhessischen Ziegenhain bei Schwalmstadt geboren. Er war der älteste Sohn des Kaufmanns Louis Dannenberg (1849-1904) und seiner Frau Jettchen, geb. Rothfels (1849-1924) aus Ronshausen. Seine vier Geschwister waren Frieda (1879-1944), Siegmund (Jg.1881), Emilia (Jg.1884) und Paula (Jg.1888).

Als die Eltern ca. 1897 nach Kassel zogen, war Bernhard bereits 20 Jahre alt. Wo er den Beruf des Konditors erlernte, ist nicht bekannt. Er kam bereits 1896 nach Kassel und wurde im November 1897 zum Militär eingezogen. Ab Oktober 1899 lebte er wieder in Kassel. Wann er seine Frau Friederike, geb. Gans (Jg.1873) geheiratet hat, die aus Witzenhausen stammte, ist nicht bekannt.

Den Einwohnermeldedaten der Stadt Kassel ist zu entnehmen, dass er ein sehr unstetes Leben führte mit häufigen Ortswechseln zunächst innerhalb Kassels, dann wohnte er 1903/04 herum in Witzenhausen, vermutlich liegt in diesem Zeitraum die Eheschließung. Danach ist er meist bei den Eltern bzw. nach dem Tod des Vaters 1904 bei der Mutter gemeldet an häufig wechselnden Adressen. Unterbrochen wird die Präsenz in Kassel durch Zeiten, in denen er sich im Mai 1905 für kurze Zeit in London aufhielt und Ende des Jahres 1905 in Dortmund und Münster. Ab November 1907 war er „auf Reisen“ und kam Anfang 1908 von Göttingen wieder zurück nach Kassel. Von dort ging er im gleichen Jahr nach Oppeln und 1911 für einige Jahre nach London, bis er sich im März 1919 für längere Zeit in Kassel niederließ und dort zusammen mit der Mutter und Schwester Frieda, deren Beruf mit Verkäuferin angegeben wird, im Grünen Weg 44 lebte. Die Schwester Paula arbeitete zu der Zeit schon in Köln und war von Beruf Kontoristin. Nach dem Tod der Mutter 1924 wohnte er weiter unter dieser Adresse mit der Schwester Frieda zusammen. Ob seine Ehe geschieden wurde oder er verwitwet war, lässt sich nicht ermitteln.
Im Dezember 1936 zog Bernhard dann mit seinen beiden Schwestern Frieda und Paula nach Würzburg, um dort die Bäckerei von Max Mayer zu führen, der inhaftiert worden war. Dieser hatte in der Franziskanergasse 4 eine Bäckerei mit Kaffeeausschank geführt. Im Jahr 1938 steht Bernhard Dannenberg im Gewerbeverzeichnis des Würzburger Adressbuchs als Inhaber dieser Bäckerei, danach nicht mehr. Sicher ist, dass er bis November 1938 von der Franziskanergasse 4 in die Bibrastraße 2 ½ gezogen ist. Bereits im Februar 1939 wohnte er dann bis März 1942 in der Bibrastraße 6.

Im April 1942 wurde er zusammen mit seiner Schwester Paula in den Raum Lublin deportiert. Beide wurden für tot erklärt. Das Todesdatum von Bernhard Dannenberg wird mit dem 3. Juni 1942 angegeben. Die Schwester Frieda kam im September des gleichen Jahres nach Theresienstadt, wo sie am 2. März 1944 starb.
Über den Lebensweg der beiden Geschwister Emilia und Siegmund ist nichts mehr herauszufinden. Vermutlich sind sie bereits im Kindesalter gestorben, da im Verzeichnis der Ziegenhainer Juden keine Informationen über ihre Existenz vorhanden sind.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger 1900-1945, Würzburg Juden 1989, Bd. I, S.118;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de850360 (30.06.2018);
Statistik und Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT420425-Wuerzburg44.jpg, (30.06.2018);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Hessisches Staatsarchiv Marburg, Standesamt Ziegenhain Geburtsnebenregister 1877, 1879. 1881, 1884, 1888, http://dfg-viewer.de(30.6.2018);
Namen und Schicksale der Juden Kassels 1933-1945, Ein Gedenkbuch bearbeitet von Beate Kleinert und Wolfgang Prinz, Magistrat der Stadt Kassel-Stadtarchiv, Kassel 1986 https://kobra.bibliothek.uni-kassel.de/bitstream/urn:nbn:de:hebis:34-2013121644679/1/SchicksaleDerJudenKassels.pdf (30.6.2018);
Auszug aus der Übersicht über die Ziegenhainer Juden, übermittelt von Herrn Hans Gerstmann, Ziegenhain (24.9.2018);
The Holocaust Survivors and Victims Resource Center, Freudchen Dannenberg, https://www.ushmm.org/online/hsv/person_view.php?PersonId=3776089 (20.08.2018);
The 1939 German \\\\\\\"Minority Census\\\\\\\" Database, Tracing the Past, https://www.census.tracingthepast.org (30.06.2018);
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1936-1941, Grundlisten Franziskanergasse 4, Domstraße 68 ½, Bibrastraße 2 1/2 br> Staatsarchiv Würzburg Gestapoakte 7182 Max Mayer; Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Bernhard Dannenberg und seinen Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/;
Grabsteine Jüdischer Friedhof Kassel-Bettenhausen http://grabsteine.genealogy.net/indilist.php?nachname=DANNENBERG&b=D (30.06.2018).
Autorin / Autor Ingrid Sontag
Paten Frau Heidemarie Schraut, Herr Franz Schraut
   
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