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Hannelore Akselrad

 
geboren am 05.05.1929 in Würzburg
Straße  Büttnerstraße 15
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum29.01.1943
Todesdatumunbekannt
TodesortAuschwitz
   
am 15.01.1943 von Köln über Berlin nach Auschwitz deportiert und dort ermordet
   
Hannelore Akselrad war die einzige Tochter von Moses Akselrad (Jg. 1897) und Mathilde geb. Berger (Jg.1907).
Hannelores Vater war schon 1913 als 16-Jähriger nach Würzburg zugezogen, wo seine Schwester Dora Wachtel seit 1905 und sein Bruder David seit 1906 lebten. Er ging 1914 zurück nach Galizien und kam nach seiner Militärzeit im November 1918 wieder nach Würzburg, wo er als Reisender beruflich tätig war. Dort lebte inzwischen auch sein Vater Josef, der nach dem Tod seiner Ehefrau zu seinen Kindern nach Würzburg gezogen war.
Wie Hannelores Mutter nach Würzburg kam und wo sich die Eltern kennenlernten und geheiratet haben, ist nicht bekannt. Jedenfalls lebten Sie ab 1. Mai 1928 in der Büttnergasse 15. Dort kam ein Jahr später Hannelore zur Welt. Die Familie blieb nicht lange zusammen. Am 25.6.1932 zogen die drei aus der Wohnung aus, denn die Eltern ließen sich scheiden.

Es ist belegt, dass der Vater von April 1933 bis Mai 1934 in der Domstraße 68 gemeldet war und dass er offensichtlich im Jahr 1936 nach Polen zurückging, deutlich vor der sog. „Polen-Aktion“ von 1938, bei der polnische Staatsbürger nach Polen abgeschoben wurden.
Von der Mutter ist bekannt, dass sie nach der Trennung als Hausangestellte tätig war und in der Zeit von 1938 bis Juni 1939 im Israelitischen Altersheim in der Konradstraße 3 gearbeitet und gewohnt hat, davor zwischen November 1936 und April 1938 in der Herzogenstraße 3.

Zu dieser Zeit lebte Hannelore bereits im Israelitischen Kinderheim in der Lützowstraße in Köln, wo sie als 6-Jährige ab dem 19. Juni 1935 bis 29. April 1941 untergebracht war. Dieses Heim wurde im März 1941 beschlagnahmt, so dass Hannelore mit anderen Kindern und Betreuern wenig später in das Kinderheim in der Cäcilienstraße verlegt werden musste. Im Juni 1942 wurde Hannelore für einen Monat im Deportationslager auf dem Gelände des alten preußischen Forts in Köln-Müngersdorf untergebracht, danach für zwei Monate im Haus St. Apernstraße wieder in der Innenstadt. Die beiden Häuser Cäcilienstraße und Apernstraße wurden zu der Zeit als Ghettohäuser für die jüdische Bevölkerung genutzt. Es muss ein Leben in extrem beengten Verhältnissen bei schlechter Versorgung gewesen sein. Hannelores Odyssee geht weiter: Ihre nächste Station ist wieder das Deportationslager in Köln-Müngersdorf, wo sie zwischen September 1942 und Januar 1943 leben musste.

Zusammen mit den für das Ghetto Theresienstadt bestimmten Menschen wird sie am 15. Januar von Köln nach Berlin gebracht und von dort mit 73 anderen Kölnern 14 Tage später mit dem 27. Osttransport vom 29.1.43 nach Auschwitz verschleppt. Hannelore ist beim „Zug der Erinnerung“ als eines der 4.512 Berliner Kinder bzw. eines der 80 Würzburger Kinder erwähnt, die zwischen 1933 und 1945 als jüdische Opfer der Verfolgung den Tod fanden. Zum Zeitpunkt ihrer Ankunft in Auschwitz war Hannelore 13 Jahre alt. Es muss davon ausgegangen werden, dass sie sofort nach Ankunft für die Gaskammer selektiert wurde.

Hannelores Mutter war 1939 nach Belgien emigriert, hatte erst in Antwerpen, dann in Brüssel gelebt und dort nach ihrer Heirat den Namen Hasenberg angenommen. Sie wurde im September 1942 von Mechelen/Belgien nach Auschwitz deportiert, nachdem sie bei einer Razzia gefasst worden war. Man weiß nicht, ob sie im Januar 1943 noch lebte. Es ist kaum anzunehmen, dass sich Mutter und Tochter in Auschwitz begegnet sind.

Das Schicksal von Hannelores Vater liegt im Dunkel.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S.54;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1912-1935, Grundliste Büttnergasse 15, Adresskartei Konradstraße 3;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1052540, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de835351 (13.2.2019);
Yad Vashem, Zentrale Datenbank der Namen der Holocaust Opfer, https://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=de&itemId=804588&ind=4, https://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=de&itemId=7840904&ind=0, https://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=de&itemId=1724647&ind=1 (13.2.2019);
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Hannelore Akselrad und ihre Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/;
Auskunft von Birte Klarzyk und Ibrahim Basamalah, NS-Dokumentationszentrum Köln vom 30.4.2019 und 2.5.2019; Zug der Erinnerung, Städte und Namen, http://www.zug-der-erinnerung.eu/kinder.html (20.02.2019);
Statistik und Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT27-15.jpg (20.02.2019);

Bild 1: Im Kinderheim in Köln, NS-Dokumentationszentrum in Köln, vergrößerter Ausschnitt;
Bild 2: Hannelore mit ihrer Mutter 1932 in Würzburg, NS-Dokumentationszentrum Köln.
Autorin / Autor Ingrid Sontag
Paten Die Ursulinen-Schule, An die Schulleitung
   
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