zurück

Heinrich Viktor

   
geboren am 04.09.1895 in Würzburg
Straße  Sanderrothstraße 17
Stadtteil Frauenland
Todesdatum12.01.1941
TodesortKZ Dachau
   
zunächst vom 22.06.1938 bis zum 06.09.1940 im KZ Sachsenhausen in Haft, dann verlegt ins KZ Dachau, wo er am 12.01.1941 im Zusammenhang mit einer Knieoperation verstarb
   
Heinrich war der vierte Sohn von Simon Viktor (1860-1943) und Mina, geb. Blum (1865-1931). Die Familie wohnte seit 1888 in Würzburg, wo der Vater zuerst einen Antiquitätenhandel und danach eine Versicherungsagentur betrieb. Heinrich Viktor hatte drei ältere Brüder: Israel (1887-1916), Adolf (1889-1933) und Fritz (Moses) (1893-1978).Die 1888 geborene Schwester Sofie sowie der 1892 geborene Bruder Max verstarben noch im Kindesalter.
Vor 1914 machte Heinrich eine Ausbildung zum Schneidergehilfen und wohnte bis zum Kriegseinsatz und danach noch bis Dezember 1918 im Elternhaus in der Augustinerstraße 22 1/2. Bis Kriegsende kam er wegen kleinerer Eigentumsdelikte mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt. Sehr wahrscheinlich übte er den Beruf des Schneiders aus, als er 1919 die in einem Taubstummenlazarett angestellte Näherin Frieda, geb. Dritschler (Jg.1898) heiratete. Nach der ersten Scheidung 1920 lebten beide wiederholt in einer Ehegemeinschaft zusammen und hatten drei Kinder, von denen die beiden jüngeren bei der Geburt verstarben. Der 1924 geborene Sohn Franz lebte in einer Pflegeeinrichtung.
Am 03.07.1920 verlegte Heinrich seinen Wohnsitz nach Nürnberg, am 18.11.1922 nach Bergkamen und 1923 erst nach Kassel, dann nach Bayreuth, bevor er ab dem 15.11.1923 wieder in Würzburg mit Frieda gemeinsam dem Schneiderhandwerk nachging.
Am 06.08.1927 heiratete er die verwitwete Katholikin Elisabeth, geb. Traud (Jg.1897) und betrieb von 1928 bis 1930 in der Petrinistraße 9a eine Wäscherei. Häufige Wohnungswechsel im Stadtgebiet prägten die Zeit bis Ende 1933: Fabrikstr.40/II, Reurergasse, Sanderstrasse und Bronnbachergasse 31. In diesen Jahren übte er wieder den Schneiderberuf aus.
Trotz seines Ausscheidens aus der israelitischen Kulturgemeinde bezog er von 1935-37 deren Winterhilfe. Ab 1934 arbeitete Heinrich Viktor als Vertreter und wohnte von 1933-1938 in der Sanderrothstr.15, bevor er bis zu seiner Verhaftung im Juni 1938 bei seiner Ehefrau Elisabeth in der Sanderrothstr.3 gemeldet war. Seine Einlieferung in das KZ Sachsenhausen ist am 22.06.1938 dokumentiert. Die Verlegung ins KZ Dachau erfolgte am 06.09.1940. Dort verstarb er am 12.01.1941 an einer Phlegmone, die sich nach der operativen Behandlung einer Knieschleimbeutelentzündung entwickelt hatte, was die Vermutung einer Behandlung im Rahmen von medizinischen Versuchen nahelegt.

Der Vater Simon Viktor wurde nach der Deportation am 16. Febr.1943 in Theresienstadt ermordet. Heinrichs ältester Bruder Israel war bereits 1916 in Agnes gefallen, auch sein Bruder Adolf war 1933 verstorben, nur dem jüngeren Fritz (Moses) gelang 1937 mit seiner Familie die Auswanderung nach Baltimore (USA),wo er 1978 verstarb.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2 S.642;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html.de (12.08.2019);
Auskunft der Gedenkstätte Sachsenhausen, Oranienburg vom, 22.6.2018;
Auskunft der KZ-Gedenkstätte Dachau mit Sterbeurkunde Nr. 1941 0161D vom 27.6.2018;
Stadtarchiv Würzburg, Einwohnermeldebogen Heinrich Viktor, Adressbuch 1938, Grundlisten u.a. Gothengasse 1, Pleicherpfarrgasse 12, Rosengasse 1;
Datenbank Historisches Unterfranken, Informationen zu Viktor Heinrich und seine Angehörigen, http//www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/ (14.08.2019);
Zusammenstellung der Rechercheergebnisse von Dennis Meier, Praktikant am Johanna-Stahl-Zentrum Würzburg.
Autorin / Autor Theresa Dietl
Paten Herr Holger Schubert
   
zurück