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Julius Metzger

 
geboren am 23.01.1879 in Veitshöchheim
Straße  Herzogenstraße  3
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
TodesortRiga-Jungfernhof oder Umgebung
   
am 27. November 1941 nach Nürnberg, am 29. November nach Riga-Jungfernhof deportiert und dort oder in der Umgebung ermordet
   
Julius Metzger wurde am 23. Januar 1879 in Veitshöchheim als jüngstes Kind des Ehepaars Wolf Metzger (1841-1897) und Ernestine Metzger, geb. Donnerstag, verw. Stern (1834-1913) geboren. Julius hatte vier Geschwister Friederike, Emmanuel, Ida und Rosa sowie drei Halbgeschwister Julchen, Hermann und Karolina aus der ersten Ehe seiner Mutter.
Nach seiner Schulzeit in der Volksschule in Veitshöchheim und der Oberrealschule in Würzburg, begann er nach der 10. Klasse eine dreijährige kaufmännische Lehre. Er arbeitete für vier Jahre als kaufmännischer Gehilfe bei der Fa. Klau & Sichel, dann verließ er Würzburg, um in verschiedenen Firmen in Nürnberg, Bamberg, Meiningen und Fulda tätig zu werden.1903 gründete er in Veitshöchheim ein Lack- und Farbengeschäft, das er 1909/1910 nach Würzburg verlegte.
Im 1. Weltkrieg wurde Julius Metzger 1915 eingezogen und als Maschinengewehrschütze im 9. Infanterie Regiment in Würzburg ausgebildet. Er leistete acht Monate lang seinen Dienst an der Front ab, kam verletzt ins Lazarett und übernahm anschließend im „Heimattruppenteil“ in Würzburg Bürotätigkeiten. Ende 1918 wurde er aus dem Heer entlassen. 1919 gründete er zusammen mit Ludwig Seufert in der Textorstraße 19 die Lack- und Farbenfabrik Metzger & Seufert, deren Sitz sich ab 1924 in der Kaiserstraße 12 befand.
Im Alter von 42 Jahren heiratete Julius Metzger im April 1921 die 23jährige Hedwig Rothstein, Tochter des Weinhändlers Rudolf Rothstein aus Mainstockheim. Im März 1922 wurde sein Sohn Willy geboren. Er bleibt das einzige Kind.
Seine Firma führte Julius Metzger bis 1930 mit seinem Kompagnon Ludwig Seufert weiter. Nach ihrer Trennung gründete er die Firma neu. Der Firmensitz verblieb in der Kaiserstraße 12 und war gleichzeitig auch der Wohnort der Familie seit November 1921. Im Juli 1935 wurden Wohnung und Geschäft, nun Handel mit Lacken etc., in die Herzogenstraße 3 verlegt. Er vertrieb seine Ware in Würzburg und Umgebung.
In Zuge der Verhaftungswelle in der Reichspogromnacht vom 9.auf den 10. November 1938 wurde auch Julius Metzger festgenommen und inhaftiert. In seiner Vernehmung versuchte er seine Haft abzuwenden: Seine Frau Hedwig sei seit Jahren krank und bedürfe der Pflege. Ihm wurde nahegelegt, seine Waren im Wert von 200.000.- RM sofort an das Reich abzugeben. Julius Metzger betonte, dass er mit seiner Familie in die USA auswandern wolle, da er dort Verwandte habe. Am 17. November 1938 wird er aus dem Gefängnis entlassen und seine Firma kurz danach aufgelöst.
Ab August 1939 wird Julius Metzger „arbeitsfähig“ erklärt und leistet ab Dezember 1939 bis November 1941 Zwangsarbeit beim städtischen Tiefbauamt. Zwischendurch wird er immer wieder für kurze Zeit freigestellt, da seine Gesundheit deutlich angeschlagen ist. Auch eine Herzkrankheit führt nicht zu einer Verschonung. Im März 1941 müssen die Eheleute von der Herzogenstraße 3 in die Hindenburgstraße 36 und von da aus Ende August 1941 in die Friedenstraße 26 ziehen, beides sog. „Judenhäuser“.
Obwohl ein Affidavit des Cousins von Julius Metzger, Eugene Metzger vom August 1939 vorlag, gelang die Auswanderung der Familie in die USA nicht,. Die Nummer, die die Familie vom amerikanischen Konsulat in Stuttgart erhalten hatte, war mit der Nummer 23 191 viel zu hoch, als dass sie überhaupt eine Chance gehabt hätte, auszuwandern.
Am 27. November 1941 wurde Julius Metzger im Alter von 62 mit der Evakuierungsnummer 268 in einem der ersten Deportationszüge aus dem Deutschen Reich über Nürnberg nach Osten deportiert. Der Zug verließ Nürnberg am 29. November mit weiteren 806 Menschen nach Riga-Jungfernhof, wo sie am 2. Dezember 1941 in der extremen Kälte des Winters 1941/42 ankamen. Unter den von Nürnberg aus deportierten Menschen waren Julius Metzgers Neffen Ignaz und Sigmund Metzger mit ihren Frauen Elise und Anna. Wo und wann Julius Metzger starb, ob aus Erschöpfung, den Folgen seiner Herzschwäche oder ob er in einer der Erschießungsaktionen umkam, ist nicht festzustellen. Seine Spur verliert sich. Mit ihm die seiner Ehefrau Hedwig. Ihr erst 21jähriger Sohn Willy wird sicherlich zur Arbeit herangezogen worden sein. Er kam 1944 in das KZ Stutthof bei Danzig. Wann und wo er starb, weiß man nicht.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S.387;
Staatsarchiv Würzburg Gestapoakte 7540;
Stadtarchiv Würzburg Adressbücher 1910 bis 1940 und Grundlisten Textorstr. 19, Kaiserstr. 12, Herzogenstr. 3, Hindenburgstr. 36 und Friedenstr. 26., sowie Meldebogen Julius Metzger;
Wir-Wollen-Uns-Erinnern Denkort Aumühle, Würzburg, https://denkort-aumuehle.de/kaiserstrasse-12-stock-1/ (06.11.2018);
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de930429 (30.10.2018);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs des Bundesarchivs;
Alemannia Judaica Veitshöchheim, http://www.alemannia-judaica.de/veitshoechheim_synagoge.htm (05.11.18);
Auskunft zu Familie Metzger von Frau K. Heußner, M.A., Kulturamt Gemeinde Veitshöchheim (16.01.19);
Tracing the Past – 1939 German Minority Census, https://www.mappingthelives.org/bio/b436e9de-9af3-4436-9bfe-59b5a85b2ec9 (13.11.18);
Datenbank Jüdisches Unterfranken, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/Datenbank/ (06.11.18);
Statistik und Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich, http://statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg4.jpg (12.11.18);
Foto: Staatsarchiv Würzburg G 7540 (14.11.18)
Autorin / Autor Elke Wagner
Paten Frau Hella Lenz
   
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