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Hedwig Metzger, geb. Rothstein

   
geboren am 04.05.1898 in Mainstockheim
Straße  Herzogenstraße  3
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
TodesortRiga-Jungfernhof oder Umgebung
   
am 27. November 1941 nach Nürnberg, am 29. November 1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und dort oder in der Umgebung ermordet
   
Hedwig Rothstein ist als älteste Tochter des Weinhändlers Rudolf Rothstein (1869-1943) und seiner Ehefrau Jette, geb. Stern (1872-1942) am 4. Mai 1898 in Mainstockheim zur Welt gekommen. Sie und ihre vier Geschwister sind in eine alteingesessene, bedeutende jüdische Familie hineingeboren. Ihre Geschwister sind Antonia (1900-1942), Jean (Jg 1901), Michael (Jg.1904) und Siegfried (1908-1942).
Hedwig wird ihre Schulbildung in Mainstockheim und Kitzingen bekommen haben. Ob und welche Ausbildung sie erhielt ist nicht verifizierbar. In den einsehbaren Quellen wurde Hedwig Metzger als Hausfrau geführt. Im April 1921 heiratete sie den 19 Jahre älteren Kaufmann Julius Metzger aus Würzburg in Mainstockheim. Am 17. April 1921 zog sie nach Würzburg in die Wohnung ihres Mannes in der Textorstraße 19. Ab November des Jahres wohnte das Ehepaar in der Kaiserstraße 12, wo sich auch ihr Geschäft befand. Ihr einziges Kind Willy kam im März 1922 zur Welt. In der Zeit nach der Niederkunft lebte auch ihre Schwester Antonia mit im Haushalt, wohl um Hedwig zu unterstützen.
Das Geschäft ging gut, bis auch hier die Repressalien der Nationalsozialisten Wirkung zeigten Im Juni 1935 verlagerten Hedwig und Julius Metzger Firma und Wohnung in die Herzogenstraße 3. Nach der Reichspogromnacht 1938 wurde ihr Mann für eine Woche inhaftiert. Für Hedwig Metzger war das sicher sehr hart, da sie wegen einer schmerzhaften Autoimmunkrankheit (Pemphigus) auf die Hilfe ihres Mannes angewiesen war. Ihr 16jähriger Sohn arbeitete zu dieser Zeit schon als Kochlehrling im Altersheim der jüdischen Gemeinde in der Dürerstraße 20.
Die Familie betrieb intensiv ihre Auswanderung in die USA, nachdem ihr Betrieb 1937 aufgelöst worden war. Trotz eines Affidavits durch einen Verwandten ihres Mannes gelang die Emigration nicht. Sie versuchten es bis in das Jahr 1941. Schlussendlich wurde Hedwig Metzger mit ihrem Mann im März 1941 in die Hindenburgstr. 36 und im August 1941 in die Friedenstr. 26, zwei der sogenannten „Judenhäuser“ in Würzburg, verbracht.
Am 23. November 1941 wurde Hedwig Metzger eröffnet, dass sie evakuiert würde und aufgefordert, ihren „Transportkoffer“ am 26. November 1941 zum Güterbahnhof Aumühle zu bringen. Bis zum Fußmarsch am 27. November morgens um 3.30 Uhr zum Bahnhof Aumühle wurde sie mit Mann und Sohn in der Schrannenhalle in Würzburg festgehalten. Um 5.50 Uhr fuhr der Zug in Richtung Nürnberg ab, wo sie unter elenden Bedingungen zwei weitere Tage warteten. Am 29. November 1941 verließ Hedwig Metzger mit der Evakuierungsnummer 269 den Bahnhof Nürnberg. Der Zug erreichte sein Ziel Riga-Jungfernhof am 2. Dezember 1941. Die Spur von Hedwig Metzger verliert sich hier. Wo und wann sie ermordet wurde ist nicht feststellbar. Dies gilt auch für ihren Mann Julius. Ihr Sohn Willy überlebte zwar Riga, doch auch er verschwindet im Dunkel des Kriegsendes. Er wurde noch 1944 in das KZ Stutthof bei Danzig gebracht. Seine Spur ist dort nicht zu finden und man muss davon ausgehen, dass er in Stutthof oder auf einem der Todesmärsche umgekommen ist.
Hedwigs beide Geschwister Antonia und Siegfried wurden am 23. März 1942 von Kitzingen aus nach Izbica deportiert, wo sie umgekommen sein müssen. Hedwig Metzgers Eltern Rudolf und Jette Rothstein wurden am 23. September 1942 von Würzburg aus nach Theresienstadt verbracht, wo beide kurz hintereinander verstarben: Jette Rothstein am 28. Dezember 1942 und Rudolf Rothstein am 18. Januar 1943. Über die beiden anderen Geschwister von Hedwig Rothstein konnte nichts eruiert werden.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S.387;
Staatsarchiv Würzburg Gestapoakte 7540;
Stadtarchiv Würzburg Adressbücher 1910 bis 1940 und Grundlisten Textorstr. 19, Kaiserstr. 12, Herzogenstr. 3, Hindenburgstr. 36 und Friedenstr. 26., sowie Meldebogen Julius Metzger;
Wir-Wollen-Uns-Erinnern Denkort Aumühle, Würzburg, https://denkort-aumuehle.de/kaiserstrasse-12-stock-1/ (06.11.2018);
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de930338 (30.10.2018);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs des Bundesarchivs;
Alemannia Judaica Mainstockheim, http://www.alemannia-judaica.de/mainstockheim_synagoge.htm (05.11.18);
Verwaltungsgemeinschaft Kitzingen, Standesamt, Auskunft Frau. Schreiber v. 03.12.18 zu Hedwig Metzger, geb. Rothstein;
Förderverein ehemalige Synagoge Kitzingen e.V., Hrsg., Yiskor, Gedenkbuch Kitzingen, Kitzingen 2011; S. 140ff;
Tracing the Past – 1939 German Minority Census, https://www.mappingthelives.org/bio/1e3ef352-a9bc-4708-8923-abfdcb8b9202 (13.11.18);
Datenbank Jüdisches Unterfranken, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/Datenbank/ (06.11.18);
Statistik und Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich, http://statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg4.jpg (12.11.18).
Autorin / Autor Elke Wagner
Paten Frau Hella Lenz
   
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