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Willy/Willi Metzger

 
geboren am 12.03.1922 in Würzburg
Straße  Herzogenstraße 3
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
TodesortRiga-Jungfernhof oder Umgebung
   
am 27. November 1941 nach Nürnberg, am 29. November 1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert. August 1944 ins KZ Stutthof deportiert und dort oder auf einem der Todesmärsche umgekommen
   
Willy/Will Metzger wird als einziges Kind des Kaufmanns Julius Metzger (Jg.1879) und seiner Ehefrau Hedwig, geb. Rothstein (Jg.1898) am 12. März 1922 in Würzburg geboren.
Seine Eltern besaßen ein erfolgreiches Geschäft für Farben und Lacke in der Kaiserstr. 12, das sein Vater 1919 gegründet hatte. Seine Mutter führte den Haushalt, unterstützt von Haushaltshilfen und auch über längere Zeit nach Willys Geburt von ihrer Schwester Antonia. Willys Mutter Hedwig litt an einer seltenen, sehr schmerzhaften Autoimmunkrankheit, Pemphigus.
Willy besuchte die Volksschule und anschließend die Oberrealschule, deren Besuch er aber wegen der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten abbrechen musste. Ab Mai 1936 begann er eine kaufmännische Lehre bei der Würzburger Berufskleiderfabrik Adler & Kollin. Das Geschäft wurde auf Druck der Nationalsozialisten im Oktober 1937 aufgelöst. Bis zum Ende der Geschäftsabwicklung blieb Willy Metzger dort Lehrling, doch ab Ende November 1937 musste er eine neue Arbeitsstelle antreten. Eine Lehrstelle konnte er bei der Tuchgroßhandlung Neuberger & Berney nicht mehr erhalten, dies war ihm als Jude versagt. So war er dort als Lagerarbeiter beschäftigt, die er „auf eigenen Wunsch“ verließ, so vermerkt in seinem Arbeitszeugnis. Ab 1. April 1938 fand er Arbeit als Kochlehrling im Israelitischen Kranken- und Pfründnerhaus und zwar bis 25. November 1941. Alle Arbeitgeber beschieden Willy Metzger Fleiß Willigkeit und Treue zum Arbeitgeber.
Der Familie war am 23. November 1941 die Evakuierung eröffnet worden. Willy Metzger wurde die Evakuierungsnummer 270 zugewiesen. Am 27. November 1941 wurde er vom Bahnhof Aumühle nach Nürnberg und am 29. November 1941 von dort zusammen mit seinen Eltern nach Riga-Jungfernhof deportiert, die beide krank waren Dort sind sie wahrscheinlich im Winter 1941/42 umgekommen.
Im Lager Riga-Jungfernhof oder in einem anderen der dortigen Lager musste er sicher wie alle anderen Gefangenen Zwangsarbeit für das Deutsche Reich leisten. Mit 22 Jahren wurde Willy Metzger mit anderen Überlebenden aus Riga-Jungfernhof im August 1944 ins KZ Stutthof bei Danzig deportiert. Dort verliert sich seine Spur. Entweder ist er dort im KZ oder auf einem der Todesmärsche umgekommen. Er wurde nur 22 oder 23 Jahre alt.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg Gestapoakte 7540;
Stadtarchiv Würzburg Adressbücher 1910 bis 1940 und Grundlisten Textorstr. 19, Kaiserstr. 12, Herzogenstr. 3, Hindenburgstr. 36 und Friedenstr. 26., sowie Meldebogen Julius Metzger; Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S.387;
Wir-Wollen-Uns-Erinnern Denkort Aumühle, Würzburg, https://denkort-aumuehle.de/kaiserstrasse-12-stock-1/ (06.11.2018);
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de930539 (30.10.2018);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs des Bundesarchivs;
Tracing the Past – 1939 German Minority Census, https://www.mappingthelives.org/bio/6aa12677-810d-4b74-b617-ffd28600d33a (13.11.18);
Datenbank Jüdisches Unterfranken, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/Datenbank/ (06.11.18);
Statistik und Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich, http://statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg4.jpg (12.11.18);
Foto: Staatsarchiv Würzburg Gestapoakte 7540 (14.11.18)
Autorin / Autor Elke Wagner
Paten Frau Kerstin Bezold
   
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