Ethnisch Verfolgte

500 000 Menschen fielen dem „Porajmos“, dem vom NS-Staat systematisch durchgeführten Völkermord an Sinti und Roma, zum Opfer.

Weit verbreitete Vorurteile hatten den Boden bereitet für die staatliche Verfolgung der „zigeunerischen Personen“, obwohl sie zumeist in das gesellschaftliche Leben integriert waren. Viele hatten im Ersten Weltkrieg in der Armee gedient und Auszeichnungen erhalten. In der „Pfälzischen Rundschau“ heißt es über die Eußerthaler Sinti, von denen auch Würzburger Sinti abstammen:

„Die Zigeunerfamilien kommen ins Dorf, kaufen ihre Milch und ihr Brot, fallen sonst nicht auf, schicken ihre Kinder in die Ortsschule, besuchen den Gottesdienst, denn sie sind zum römischkatholischen Glauben übergetreten und haben auch bei der letzten Reichspräsidentenwahl ihre Staatsbürgerpflicht erfüllt.“

Nach der Machtergreifung Hitlers wurden sie Schritt für Schritt ausgegrenzt, ihrer Rechte beraubt und vom öffentlichen Leben ausgeschlossen: Sie waren ab 1933 von Berufsverboten betroffen, fielen 1935 unter die Nürnberger Rassegesetze, wurden nach 1938 von der Rassenhygienischen Forschungsstelle systematisch erfasst und bereits ab 1938 in großer Zahl in Konzentrationslager eingeliefert, 1941 vom aktiven Wehrdienst ausgeschlossen und die Kinder vom Schulbesuch.

Im Dezember 1942 ordnete Reichsführer SS Heinrich Himmler die Deportationen aller im Reichsgebiet lebenden Sinti und Roma an, um sie zu vernichten. Noch mehr Opfer forderte der Porajmos in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten.

Unter den Opfern, die in das sogenannte Zigeunerlager in Auschwitz verschleppt wurden, waren auch etwa 30 namentlich bekannte Würzburger Sinti, die meisten Angehörige der Familien Winterstein, Heumann und Hilbert, darunter 14 Kinder. Nur von vier Erwachsenen wissen wir, dass sie die Lagerhaft überlebten.

Zu den Opfern gehören auch diejenigen, die sich an der Würzburger Universitätsklinik Zwangssterilisationen und –abtreibungen unterziehen mussten – oft mit dem Versprechen, dass sie dann einer Deportation entgehen würden, und Menschen, an denen man im Rahmen der Zwillingsforschung des Dr. Werner Heyde Menschenversuche unternahm. (dieser Textteil ist der Rede Marions entnommen den Benita nicht einbezogen hat: „An unserer Universitätsklinik wurden nicht nur Zwangssterilisationen und –abtreibungen durchgeführt, sondern im Rahmen der Zwillingsforschung des Dr. Werner Heyde auch Menschenversuche.) Unter den Leidtragenden befanden sich auch zwei Säuglinge aus der Familie Winterstein Rita und Rolanda. Während Rolanda nur noch tot aufgefunden wurde, konnte die Mutter ihre Tochter Rita schwerverletzt aus dem Krankenhaus herausholen und

retten. Rita Prigmore ist weltweit als Zeitzeugin aufgetreten und setzt sich für Versöhnung ein. Im Jahr 2013 hat sie den Würzburger Friedenspreis erhalten.

Jedes Jahr, am „Internationalen Tag des Gedenkens an den Genozid an den Sinti und Roma“, gedenkt Würzburg seiner ermordeten Sinti am Mahnmal am Paradeplatz.

In Würzburg liegen 19 Stolpersteine am Pleidenturm 6, in der Glockengasse 1, in der Mergentheimerstraße 12 ½ und in der Wredestraße 40 für in der NS-Zeit ermordete Sinti. Die Würzburger Sinti wünschen sich, diese Stolpersteine vor den jeweiligen Häusern auszugraben, um alle gemeinsam am Mahnmal am Paradeplatz einzusetzen.

Quellen: