Euthanasie

Die Zwangssterilisation 

Eine wichtige Grundlage der nationalsozialistischen Rassenhygiene war die Lehre  von der Eugenik. Man unterschied zwischen Menschen mit  höherwertigem und mit minderwertigem  Erbgut. Für den Fortbestand und die Überlegenheit des deutschen Volkes war es wichtig minderwertiges Erbgut zu vernichten. A14. Juli 1933 wurde das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ verabschiedet. „Erbkranke“ Menschen konnten nun gegen ihren Willen zwangssterilisiert werden. Bis 1945 erlitten etwa 360.000 Menschen dieses Schicksal. 

Die Ermordung in Tötungsanstalten: Aktion T4 1940-1941 

Auch psychisch Kranke und Behinderte gehörten zu den Menschen, die man aus rassenhygienischen Gründen und im Hinblick auf ihren Nutzen für die Gesellschaft als lebensunwert ansah. 

Die Aktion T4 erhielt ihre Berechtigung durch das geheime Ermächtigungsschreiben Hitlers, zurückdatiert auf  den Kriegsbeginn am 1.September 1939. In diesem verfügte er,“….. die Befugnisse namentlich zu bestimmender Ärzte so zu erweitern, dass nach menschlichem Ermessen unheilbar Kranken bei kritischer Beurteilung ihres Krankheitszustandes der Gnadentod gewährt werden darf“. 

In einer Villa in der Tiergartenstraße 4 in Berlin wurde eine Abteilung eingerichtet, die die Patientenmorde steuern und verwalten sollte. Daher der Name Aktion T4. 

Die Anstalten mussten Meldebögen für ihre Patienten ausfüllen und an die Tiergartenstraße zurücksenden.  Hier sichteten sie drei Gutachter und entschieden über Leben und Tod. Nach einiger Zeit kamen Transportlisten mit den Namen der Patienten zurück, die in die Tötungsanstalt gebracht werden sollten. Ziel dieser Transporte war eine der sechs Tötungsanstalten: Pirna-Sonnenstein (Sachsen), Hartheim (Oberösterreich), Grafeneck (Baden-Württemberg), Bernburg (Anhalt), Hadamar (Hessen) und Brandenburg. 

Der Würzburger Psychiatrieprofessor Dr. Werner Heyde war der ärztliche Leiter der Organisation und einer der drei Obergutachterdie als letzte Instanz bei Zweifelsfällen entschieden. 

Ende September 1940 teilte der Gauleiter von Mainfranken Dr. Hellmuth der Anstalt Werneck mit, dass siegeräumt werden solle. Man benötige den Platz für deutsche Umsiedler aus Bessarabien. 

Am 2. Oktober 1939 brachte man die ersten Patienten aus Lohr weg, um für Patienten aus Werneck Platz zu schaffen. In den folgenden vier Tagen gingen Transporte aus beiden Anstalten mit Bussen und Bahn in die Zwischenanstalten Großschweidnitz und Arnsdorf, sowie direkt in die Tötungsanstalten Pirna-Sonnenstein und Hartheim. So konnte man die Mehrzahl der Wernecker Patienten in Lohr unterbringen. Da die Anstalt Lohr überfüllt war, organisierte man im November einen letzten Transport in die Zwischenanstalt Weinsberg und von da aus in die Tötungsanstalt Grafeneck. 700 Menschen, davon etwa 100 Würzburger, kamen in die Zwischen- oder Tötungsanstalten. Unter ihnen befanden sich auch ältere Kinder und Jugendliche. 

Im Reich ging die geheim gehaltene Aktion T4 weiter, bis Hitler sie am 24. August 1941 beendete.  Mit dieser Aktion wurden 70.273 Menschen ermordet. 

Die Tötung in den Anstalten 1941-1945 

Mit dem Ende der Aktion T4 war die Tötung körperlich und geistig behinderter Menschen noch lange nicht vorbei. Ivielen Anstalten wurden bis zum Kriegsende weiter Patienten ermordet. Entweder durch Medikamente, durch Hungerkost oder durch die Nichtbehandlung der Kranken. 

Die Anstalt Lohr gehörte nicht zu diesen Anstalten. Aber auch in ihr erhöhte sich die Sterberate durch die Überbelegung und die kriegsbedingt schlechte Versorgung. 

Die Tötung von Kindern in „Kinderfachabteilungen 1940-1945 

1939 richtete man den „Reichsausschuß zur Erfassung erb- und anlagenbedingter schwerer Leiden“ ein. Ärzte und Hebammen mussten den Gesundheitsämtern Neugeborene und Kinder bis zu drei Jahren mit bestimmten Leiden wie z. B. „Idiotie, Missbildungen usw.“ melden. Die Meldebögen gingen an den Reichsausschuss, der die Kinder in die eigens ab 1940 eingerichteten Kinderfachabteilungen einwies. Entweder zur Beobachtung oder zur Behandlungwomit die Tötung gemeint war. In Bayern gab es mit Eglfing-Haar, Kaufbeuren und Ansbach drei solcher Kinderfachabteilungen und in jeder von ihnen sind Kinder aus Unterfranken bzw. Würzburg ermordet worden. 

Die Gesamtzahl der in allen Fachabteilungen getöteten Kinder schätzt man auf etwa 5000.