Politisch Verfolgte

Die Gruppe der politisch Verfolgten des NS-Regimes ist äußerst vielschichtig und lässt sich keiner einheitlichen Definition unterziehen. Zu ihr gehörten sowohl Angehörige von Parteien, aber auch von Gewerkschaften oder sonstigen sozialen Zusammenschlüssen (bspw. Vereinen) sowie Einzelpersonen. Diese Menschen vereinte, dass sie die Ideologie des Nationalsozialismus offen ablehnten oder sogar bekämpften. Dazu gehörte der Widerstand gegen Nationalismus, Militarismus, Faschismus, Antisemitismus und vieles mehr. Schon Internationalismus oder die Fürsprache zur Befreiung der Frau reichten aus, um von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo), dem Inlandsgeheimdienst des NS-Staates, verfolgt zu werden. 

Die wohl bekanntesten verfolgten Parteiangehörigen gehörten zur SPD oder KPD, es gab aber auch noch viele andere sozialdemokratische, sozialistische und kommunistische Splittergruppen, die ebenfalls verfolgt wurden. Hinzu kamen im Verlauf der NS-Zeit vermehrt Liberale oder Konservative, die teilweise dasselbe Schicksal teilten. Die Gruppe der politisch Verfolgten am „roten Winkel“ festzumachen, der auf der Häftlingskleidung angebracht war, würde in definitorischer Hinsicht genügen, entspricht aber nicht der Realität. Schon die Schnittmenge aus jüdischen Kommunistinnen und Kommunisten, die sowohl rassisch als auch politisch verfolgt wurden, widerlegt diese Annahme. 

Zu den nicht parteilich organisierten, politisch Verfolgten zählten zum Beispiel die Swing-Jugend, die Studierendengruppierung „Weiße Rose“, aber auch der Wehrmachtswiderstand um Claus Schenk Graf von Stauffenberg, dessen Vertreter im Juli 1944 für das Attentat auf Hitler mit dem Tod bestraft wurden. Die Nationalsozialisten konstruierten ferner Feindbilder, die es in der Realität nie gegeben hatte, um Menschen einer unliebsamen politischen Richtung verfolgen zu können. Das berühmteste Beispiel für solch eine Erfindung ist die so bezeichnete „Rote Kapelle“, ein Widerstandsnetzwerk, das nie existiert hat. Eine weitere Gruppe von politisch Verfolgten bilden Angehörige des ehemals „linken Flügels“ der NSDAP, der sich durch eine antikapitalistische Grundhaltung ausgezeichnet hatte und mit Hitlers parteiinterner Machübernahme ausgemerzt wurde. Dies geschah teilweise schon vor 1933, aber auch nach 1933 wurden Angehörige dieser Gruppe im Exil aufgespürt und ermordet. 

Für die politisch Verfolgten gab es überall im Deutschen Reich und bereits seit 1933 Konzentrationslager, in die man die unliebsamen Mitbürger deportiert hatte. Bekannte Lager waren zum Beispiel Buchenwald, Dachau, Neuengamme, Oranienburg oder Sachsenhausen. Manche der politisch Verfolgten durchlebten die gesamte Herrschaftszeit des Nationalsozialismus in diesem Konzentrationslagersystem, das von Hunger, Schmutz, Gewalt und Tod gekennzeichnet war. Viele von ihnen wurden verhört und gefoltert, um Informationen über ins Ausland geflüchtete NS-Gegner aus den Häftlingen herauszubekommen. Nach der Annexion Österreichs, Böhmens und Mährens, dem Überfall auf Polen und später die Sowjetunion sowie dem Einfall in Dänemark, Skandinavien, den Benelux-Staaten und Frankreich begann die Gestapo auch im besetzten europäischen Ausland mit der Verfolgung dieser politischen Gegner. Der Einfluss des Geheimdienstes reichte sogar bis in die Vereinigten Staaten von Amerika. Für den Fall des Siegs über England, der nie eingetreten ist, hatten die Nationalsozialisten auch eine Liste zur Verfolgung der dort lebenden politischen Gegner, aber auch jüdischer und anderer verfolgter Geflüchteter. 

Politisch Verfolgte wurden nach 1945 von der Bundesrepublik als Opfer des Nationalsozialismus eingestuft. Die Überlebenden hatten Anspruch auf Entschädigungszahlungen, jedoch zogen sich entsprechende Prozesse über so viele Jahre hin, dass Angehörige der KPD ab 1956 (Parteiverbot) keinen Anspruch auf Wiedergutmachung mehr geltend machen konnten. Es gründeten sich Organisationen wie der Verband der Verfolgten des Nazi-Regimes, um diese politische Minderheit in der Öffentlichkeit zu vertreten.  

In der ehemaligen DDR wurden die Verfolgten zum Teil nicht für erlittene Leiden entschädigt – in Ausnahmefällen sogar weiterhin verfolgt oder durch den Staat überwacht. Deshalb kam es erst nach der Wiedervereinigung zu nachträglichen Wiedergutmachungsverfahren, die zum Teil bis heute andauern. Die meisten Überlebenden sind allerdings inzwischen verstorben und können ihre Ansprüche nicht mehr geltend machen.  

Es darf nicht vergessen werden, dass Geflüchtete, die in die Sowjetunion gelangt waren, oft zu Todesopfern Stalins wurden.