Zwangsarbeiter

In der Terminologie des Nationalsozialismus gab es für nicht-,volksdeutsche’ Arbeitskräfte nur den Begriff der Zivil- oder Fremdarbeiter. Diese Arbeitskräfte waren in den ersten Jahren des Dritten Reiches in ihren Heimatländern, überwiegend in Frankreich, den Niederlanden, Italien und Polen, vom deutschen Arbeitsamt angeworben worden und wurden zu den in Deutschland gültigen Arbeitsbedingungen, wie sie auch für deutsche Arbeiter galten, beschäftigt. Dies galt nicht für die Lebensbedingungen, da sie in eigenen Barackenlagern oder separiert bei ihren Einsatzstellen untergebracht waren. Auch war ihre Versorgung mit Lebensmitteln, Verpflegung oder Kleidung wesentlich schlechter als bei der deutschen Bevölkerung.

Nachdem diese Vorgehensweise der Arbeitskräftebeschaffung nicht die gewünschte und erwartete Wirkung erzielte und der Bedarf kriegsbedingt weiter zunehmend anstieg, wurden mehr und mehr Menschen auch gegen ihren Willen in deren Heimatländern zum Arbeitsdienst für das Deutsche Reich rekrutiert, bzw. dienstverpflichtet und ins Deutsche Reich verschleppt. Sie durften das Land dann nicht mehr verlassen. Dies geschah in enger Kooperation von deutschem Arbeitsamt, Deutscher Arbeitsfront (DAF), Sicherheitsdienst des Reichsführers SS (SD) und deutscher Wehrmacht. Selbst freiwillige Arbeitskräfte, die einen Urlaubsanspruch hatten, durften mit Fortdauer des Krieges das Deutsche Reich nicht mehr verlassen. Für all diese Menschen etablierte sich nach dem Krieg der Begriff des Zwangsarbeiters.

Die Kriegsgefangenen, mit Ausnahme der sowjetischen Kriegsgefangenen, standen unter dem Schutz der, ’Genfer Konvention’ vom Juli 1929. Darin war vereinbart, dass Soldaten, außer den Offizieren, zu Arbeitseinsätzen herangezogen werden dürfen. Davon ausgenommen war die Rüstungsindustrie. Sowjetische Kriegsgefangene unterstanden nur der, ’Haager Landkriegsordnung’ von 1907, die die Behandlung von Kriegsgefangenen weniger restriktiv reglementierte. Russland war der ’Genfer Konvention’ nicht beigetreten. Sowjetische Kriegsgefangene wurden in der Regel separat von anderen Kriegsgefangen und unter verschärften Bedingungen gehalten. Um diese Regelungen zu umgehen, wurden viele Kriegsgefangene freiwillig und unfreiwillig als Kriegsgefangene beurlaubt und in den Zivilstatus überführt, wodurch sie den Zivil-, bzw. Fremdarbeitern gleichgestellt waren. Zudem wurden sie dadurch der Jurisdiktion und Verwaltung durch die deutsche Wehrmacht entzogen.

Juristisch hatten Fremdarbeiter keinen Status, sie waren absolut rechtlos, ihnen war aber ein Katalog an Pflichten und Verboten eröffnet worden, den sie penibel genau erfüllen mussten, um nicht straffällig zu werden. Sie waren der Allmacht und Willkür der Beamten der Geheimen Staatspolizei (Gestapo), bzw. Staatspolizei-Leitstellen, die die Vergehen und Anschuldigungen verfolgten und meist auch ahndeten, hilflos und schutzlos ausgeliefert. Die Gestapo konnte Fremdarbeiter zur Aburteilung an Gerichte ausliefern, wenn eine harte Verurteilung erfolgversprechend erschien, nahm dies aber meist selbst vor, durch Verhängung von Haftstrafen oder die Einweisung in ein Arbeitserziehungs-, Straf- oder schlimmstenfalls in ein Konzentrationslager.

Der Einsatz von Fremdarbeitern und Kriegsgefangenen wurde von den meisten deutschen Arbeits- und Dienststellen hemmungslos und rigoros ausgenutzt.

Dies galt uneingeschränkt auch für Würzburg.

In der Stadt waren während des Krieges mindestens 6.000 Fremdarbeiter und Kriegsgefangene ständig im Einsatz, es sollen sogar bis zu 9.000 Männer, Frauen und Kinder gewesen sein. Es waren überwiegend Jugendliche und junge Erwachsene, die im Gastgewerbe, Handel, Handwerk, in der Industrie, der Landwirtschaft und teils sogar in Privathaushalten beschäftigt und ausgebeutet wurden.

Jeder eingezogene Wehrmachtssoldat musste durch mindestens einen Fremdarbeiter oder Kriegsgefangenen ersetzt werden und mit fortschreitendem Kriegsverlauf wurde der Bedarf in der kriegswichtigen Industrie noch größer.

Um diese Zahl an Personen unterzubringen wurden Barackenlager und Unterkünfte in Gaststätten, Turnhallen, Kasernengebäuden, Privatunterkünften an den Arbeitsstellen etc. geschaffen. Fremdarbeiter wurden getrennt von Kriegsgefangenen untergebracht und jeweils Ostarbeiter und russische Kriegsgefangene separiert von Angehörigen anderer Nationalität. Die größeren Barackenlager der Deutschen Arbeitsfront befanden sich u.a. in der Epp-/Mainaustraße (gegenüber der Bürgerbräu), im Kloster Oberzell, an der Löwenbrücke (auf dem Gelände des heutigen Kindergartens) (Firmenlager der Star-Kugelhalter-Werke GmbH), auf der Mönchberghöhe, der Paradiesstraße, der Randersackerer Straße, der Veitshöchheimer Straße (Lager Heider an der Rothofbrücke), der Winterhäuser Straße, der Zeppelin-/Methfesselstraße (Firmenlager der Star-Kugelhalter-Werke GmbH) und in der Friesstraße das Notgefängnis der Gestapo, von dem aus die Häftlinge zum Arbeitseinsatz gebracht wurden. Die exakte Zahl an Unterkünften für Fremdarbeiter und Kriegsgefangene lässt sich nicht mehr eruieren. Es dürfte sich um Dutzende gehandelt haben.

So hatten die meisten Arbeitgeber „ihren“ Franzosen oder Polen und es war bekannt, dass es rechtlose Arbeitskräfte waren, die im Falle eines Vergehens oder des geringsten Verdachts rücksichtslos und unnachsichtig behandelt, verhaftet und bestraft würden. Dies lässt sich anhand der Dokumente und Unterlagen über das Notgefängnis in der Friesstraße, einem Lager, das den Vorgaben für Konzentrationslager entsprach, zweifelsfrei dokumentieren. Vielen Arbeitgebern und Teilen der Bevölkerung waren die Zustände im Notgefängnis bekannt.

Ein erster Stolperstein war in Würzburg bereits im Jahr 2008 für den KZ-Häftling und Zwangsarbeiter Herbert Lehmann (22.06.1909-18.08.1943) verlegt worden, der bis Juli 1943 gemeinsam mit anderen KZ-Häftlingen vorübergehend im Notgefängnis der Gestapo untergebracht war. Ein zweiter Stolperstein wurde 2017 für Andrzej Rostecki (18.09.1915-08.07.1942), einen polnischen Zwangsarbeiter verlegt, der am 20.10.1941 in die Universitätsnervenklinik eingewiesen worden war.

Im April 2019 wurden weitere 21 Stolpersteine für ermordete Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in der Friesstraße am Ort des ehemaligen Notgefängnisses verlegt.

Die Biographien zu den Häftlingen finden sich auf der Seite der Opfer.

In Würzburg sind nachweisbar 317 Zwangsarbeiter, Zwangsarbeiterinnen und Kriegsgefangene ums Leben gekommen, teils ermordet oder an Krankheiten verstorben. Meist ist nicht einmal die Todesursache bekannt.

Nachdem für diese Opfer nur wenige oder gar keine biographischen Daten vorhanden sind, können auch keine Stolpersteine verlegt werden. Daher sollen zumindest die biographischen Daten hier zugänglich gemacht werden.

Alexander Kraus M.A.

Gesamtliste toter Zwangsarbeiter

Literatur:

  • Försch, Helmut, Hulansky, Peter und Kraus, Alexander (Hrsg.): Das Gestapo-Notgefängnis in der Friesstraße 1942 – 1945, Würzburg 2015
  • Hahn, Leo H.: Kriegsgefangene und Fremdarbeiter in Würzburg. Bei Handwerk, Handel, Industrie, den städtischen Betrieben, der Universität, der Wehrmacht und anderen Institutionen, Würzburg o.J.
  • Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter. Politik und Praxis des „Ausländer-Einsatzes“ in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Berlin, Bonn 1985
  • Spoerer, Mark: Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz, Stuttgart, München 2001